Studentenklischees – treffen sie wirklich zu?
Von Sabrina Großmann
Wir kennen ja alle folgenden alten Studentenwitz:
Ein verschlafener Student stolpert in das Wohnzimmer seiner WG: "Wie viel Uhr haben wir?" Nach einem kurzen Blick auf die Uhr sagt sein Mitbewohner "Halb sieb...", woraufhin der erste Student ihn mit dem unsterblichen Satz "Keine Details! Winter- oder Sommersemester?" unterbricht.
Gegen Mittag Frühstück im Café und ständig ausgedehnte Partys, fünf Monate Semesterferien pro Jahr und trotzdem ewig an der Uni: Das Klischee vom lockeren Studentenleben auf Steuerzahlers Kosten hat sich fest in der Vorstellung der Gesellschaft verankert.
Aber was ist wirklich dran an den berühmt-berüchtigten Studentenklischees?
Für Studenten beginnt der Tag frühestens um 12 Uhr
Das Klischee des Studenten, der am frühen Nachmittag sein Frühstück einnimmt, um dann gemütlich an die Uni zu fahren, ist so weit verbreitet wie unrealistisch – in vielen Studiengängen ist ein solcher Tagesablauf aufgrund der Stundenpläne gar nicht möglich.
Im Gegenteil: Viele Studenten haben eine 40-Stunden-Woche und sitzen teilweise von 8 bis 18 Uhr in ihren Vorlesungen und Seminaren. Dazu kommen noch Nebenjobs, um sich das Studium überhaupt finanzieren zu können. Außerdem engagieren sich ca. 30 bis 40 Prozent aller Studenten ehrenamtlich oder politisch.
Frauen studieren nicht, Frauen malen aus und unterstreichen bunt
Ein im Ursprung natürlich männliches Klischee, das jedoch auch schon von weiblicher Seite bestätigt wurde. Die Frauen nämlich, auf die das nicht zutrifft, sind selber genervt von ihren Kommilitoninnen, die mehr Stifte als Blätter auf ihrem Pult liegen haben. Besonders beliebt sind Textmarker und bunte Filzstifte, doch auch Glitzerstifte und Gelroller sind häufig anzutreffen. Angeblich soll der Umsatz der Schreibwarenindustrie deutlich gewachsen sein, seitdem die Frauenquote unter den Studenten auf über 50 Prozent gestiegen ist, dies ließ sich jedoch nicht überprüfen... Nichtsdestotrotz muss an dieser Stelle jedoch auch einmal festgehalten werden, dass mehr Frauen als Männer studieren und ihren Abschluss machen, noch dazu in weniger Semestern und mit besseren Noten.
In Studentenwohnungen herrscht immer Chaos
Nachdem die jungen Erwachsenen aus dem "Hotel Mama" ausgezogen sind, haben viele Probleme mit der Organisation eines eigenen Haushalts. Abhängig davon, ob man in einer WG oder alleine wohnt, kann man schließlich zum ersten Mal in seinem Leben tun und lassen, was man will. Und da Aufräumen und Putzen für die meisten nicht gerade ganz oben auf der "Dinge-die-am-meisten-Spaß-machen"-Liste stehen, stapeln sich Geschirr und Wäsche oft so lange, bis man weder Teller noch Besteck und nichts mehr anzuziehen hat. Natürlich geht das nur, wenn man alleine wohnt, und Ausnahmen bestätigen hier wie überall die Regel.
Studenten widmen sich mehr dem Lifestyle und Nachtleben als ihren Büchern
Die Mutter aller Klischees über die Studenten – aber sie trifft auf viele auch tatsächlich zu! Natürlich ist das Ausleben des berüchtigten Studentenlebens abhängig von Studiengang und Einstellung des Einzelnen zu seinem Studium. Auch der Zeitpunkt des Semesters hat einen sehr hohen Einfluss auf die studentische Arbeitsmoral – so wird gegen Ende des Semesters, je näher es an die Klausurenphase geht, kaum ein Student nicht viel Zeit fürs Lernen des prüfungsrelevanten Stoffes aufbringen, während zu Beginn des Semesters oder besonders in den Semesterferien nur die ganz disziplinierten und pflichtbewussten Studenten (oder die Erstsemester) zu ihren Büchern greifen.
Studenten sind chronisch pleite
Es scheint ja hinlänglich bekannt, dass manche Studenten (zumindest die ohne den monatlichen Scheck ihrer Eltern) über Jahre hinweg am Existenzminimum leben müssen. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich: Zunächst einmal müssen Studenten 1.000 bis 1.200 Euro pro Jahr an Studiengebühren zahlen. Dazu kommen Ausgaben für Miete, Essen, Kleidung, Verkehrsmittel, Bücher und Freizeit. Somit kommt der Durchschnittsstudent auf monatliche Kosten in Höhe von ca. 600 bis 700 Euro. Dies muss geschultert werden durch BAföG (Höchstsatz 643 Euro, 25 Prozent aller Studenten erhalten BAföG), Stipendien (10 Prozent) und Nebenjobs (67 Prozent). Wobei ab einem bestimmten Einkommensbetrag auch Versicherungskosten und Steuern anfallen. Somit ist die Geldknappheit bei einigen Studierenden doch relativ verständlich.
Ein Auslandssemester ist Urlaub mit Flirttraining
Kaum ein Student kommt aus dem Ausland zurück, ohne mindestens eine Romanze gehabt zu haben, egal ob er vorher in einer Beziehung steckte oder nicht. Doch muss dies nicht als negativ bewertet werden, höchstens natürlich von den enttäuschten zurückgelassenen Partnern. Denn nichts ist förderlicher und motivierender, um eine Sprache zu erlernen, als eine fremdsprachige Liebschaft! Andererseits lässt sich jedoch auch nicht abstreiten, dass während des Auslandssemesters durchaus Prüfungen und Vorträge in der fremden Sprache bestanden werden müssen. Eine Auslandserfahrung ist also vielleicht doch auch etwas anderes als ein bezuschusster Urlaub.
BWL- und Jura-Studenten kann man auf den ersten Blick von anderen Studenten unterscheiden!
Dieses Klischee ist nicht ganz unbegründet. Ein unglaublich großer Anteil dieser Studenten gestaltet sein Äußeres nach einem ganz bestimmten Schema. Unverhältnismäßig oft sieht man an ihnen rosa Hemden oder Hemden im Allgemeinen (Hauptsache, der Kragen ist hochgestellt), Lack- und Lederschuhe oder High Heels, für die Uniunterlagen viel zu kleine Täschchen, schmierige Frisuren, dickes Make-Up... Sehr beliebt ist auch der lässig über die Schultern gelegte und vor der Brust an den Ärmeln verknotete Pullover. Zu ihrer Verteidigung ist zu sagen, dass dieses Erscheinungsbild natürlich nicht an allen Studenten dieser Fachrichtungen festzustellen ist!
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