Ferien, Faulsein, Feiern - wie Studenten ihr Leben meistern
Von Katharina Werschetzki
Wenn man zugibt, dass man studiert, folgt nicht selten ein Kommentar wie "Ihr habt doch ewig Ferien!" Oder aber das sachverständige Gegenüber versucht mit einem unerklärlichen Zwinkern in den Augen herauszufinden, wann denn nun die letzte Studentenparty war.
Unser Tag beginnt frühestens um elf, was "Richtiges" tun wir eh nicht (besonders die Geisteswissenschaftler), und dann haben wir auch noch fünf Monate Semesterferien im Jahr – wir sind unglaublich faul. Oder doch nicht?
Die Ergebnisse der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks unter 17.000 Studierenden sprechen eher für das Gegenteil. Neben der Unterstützung durch die Eltern ist die Selbstfinanzierung des Studiums durch eine Erwerbstätigkeit für Studierende die Haupteinnahmequelle. 60 Prozent der Studierenden haben sich im Jahr 2006 monatlich rund 300 Euro dazuverdient. Gut, 300 Euro sind nicht die Welt. Allerdings muss man das erst mal schaffen bei zusätzlich an die 20 Stunden Lehrveranstaltungen pro Woche plus Vor- und Nachbereitung. Prüfungsstress noch nicht einbezogen! Die Zeitaufwendung für Studium und Nebenjob liegt laut Studentenwerk bei Studierenden im Erststudium bei 41 Stunden in der Woche, dabei gehen 6 bis 8 Stunden für den Nebenjob drauf. Zu betonen ist des Weiteren, dass dies nur ein durchschnittlicher Wert ist. Viele Studierende legen auch erst in den Semesterferien richtig los: Pizza ausfahren, Kinder sitten und Hunde Gassi führen ist an der Tagesordnung. Sage noch einmal jemand, wir seien faul!
Das Vorurteil über den faulen Studenten mag sich aus früheren Zeiten gehalten haben: Heute trifft es auf die Mehrheit nicht mehr zu. Dafür wird schon von Seiten der Politiker gesorgt. Wohnten viele der heutigen Staatsmänner und -frauen selbst noch in Hippie-WGs und trieben sich lieber in Konzerthallen herum als im Vorlesungssaal, wird uns Studierenden heute der Bachelor vorgesetzt. Straffe Stundenpläne, schnelles Studium und Pflichtpraktika – bis 2010 soll dieses System an allen deutschen Hochschulen funktionieren. Die Studierenden sollen sowieso immer besser funktionieren. Am besten sind drei Praktika, gesellschaftspolitisches Engagement, ein Nebenjob, da man ja über die Runden kommen muss und – war da noch was? – ach ja, ein Studium. Und zwar bitte möglichst schnell und mit den besten Noten absolviert. Schließlich sollen wir das Land aus der Wirtschaftskrise führen. Sollte man uns da wirklich einen Vorwurf machen, wenn wir mal eine bestandene Prüfung feiern?
Und apropos Semesterferien: Wie bereits angesprochen, sind diese in vielen Fällen bereits für Jobs und Praktika reserviert. Im Übrigen gibt es zwar an den Universitäten meist fünf Monate vorlesungsfreie Zeit im Jahr (was aber nicht mit Urlaub zu verwechseln ist), doch schon an den Fachhochschulen können die Ferien deutlich kürzer sein. Gerade drei Monate bleiben den Studierenden an der FH München nur zum Geldverdienen.
studilux/kw
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