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14.04.2009
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Freaks und Nerds: Über das Konvergenzverhalten der Mathematiker

Von Sool Park

"Wir Mathematiker konvergieren alle", sagte ein Mathematikstudent zu mir, als ich nach dem Wesen seiner Gattung fragte. "Warum? Weil wir alle monoton und beschränkt sind – alle reellen Zahlenfolgen konvergieren doch, wenn sie monoton und beschränkt sind!" Daraufhin fing er an zu lachen, freilich ohne mich, das war also ein Mathematiker-Witz, den man nur mit einem sehr speziellen Hintergrundwissen versteht. Aber diese Selbstbekenntnis, die von einer tiefen ironischen Selbstbeobachtung zeugt, gibt gleichzeitig Aufschluss über das typische Bild von den Mathematikstudenten: Die Mathematiker sind Freaks und finden das auch noch lustig. Diese Hypothese über das Wesen der Mathematikstudenten wird zudem noch reichlich belegt durch empirische Tatsachen. Auf Partys beispielsweise kann man Mathematiker sofort erkennen, falls man sie aus irgendeinem Verwaltungsfehler doch eingeladen hat; während andere Partygäste vergängliche Smalltalks führen und über trivial-sterbliche Dinge wie Politik oder gar Promis sprechen, sind diese stets mit ewigen Gegenständen aus dem platonisch-gauß'schen Ideenhimmel beschäftigt und wollen diese auch unbedingt mitteilen. Traurig, dass man heutzutage selbst mit den schönsten Sätzen aus der Funktionalanalysis kaum verführerisch oder attraktiv wirkt – da rotiert der Gauß bestimmt im Grab, wahrscheinlich unendlich oft, klagend über die tragische soziale Stellung seiner Nachfolger.

Aber besteht die Menge der Mathematiker wirklich ausschließlich aus Freaks und Nerds, die in dieser Weise "konvergieren"? Diese Frage ist ähnlich der Frage, ob jeder Maschinenbau-Student nur fünf Karohemden mit dem gleichen Muster im Kleiderschrank hängen hat (fünf, weil man sich am Wochenende ja nicht anzuziehen braucht). Sie ist also eine Frage nach dem Verhältnis zwischen Sein und Schein, die immer dort entsteht, wo wir mit Klischees zu tun haben. Da Klischees von Natur aus stets aus Vorurteilen bestehen, lassen sie sich meist auch als ein Zerrbild entlarven. So brauchen wir z.B. einen Maschinenbauer, der gut gestylt in der Öffentlichkeit auftritt, um das Klischee über seine Gattung loszuwerden.

Auch für die Mathematiker glaubte ich neulich ein Gegenbeispiel entdeckt zu haben. Es war ein leistungsstarker Mathematiker, der allem Anschein nach beinahe ein normaler Mensch war und zudem noch eine hübsche Freundin hatte, die nicht selbst wieder Mathematik studiert. Also eine wahrhaft seltene Erscheinung unter den Mathematikern. Er erzählte mir, dass er ein Bücher- und Rechenverbot von seiner Freundin bekommen habe, da sie zusammen in den Urlaub fliegen wollten. Ich war zutiefst gerührt von dem leidenschaftlichen Versuch seiner Freundin, ihn zu sozialisieren, und ich war froh, mein Freak-Klischee über Mathematiker endlich verschwinden zu sehen. Bis er mir von seinem geheimen Plan erzählte, auf dem Sandstrand der Urlaubinsel mit einem Stock zu rechnen und die Ergebnisse mit einer Digitalkamera abzufotografieren. Nein, für euch Mathematiker gibt es keine Erlösung, ihr werdet konvergieren bis zum Ende der Welt.

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