Hier schreiben Studenten
Pro & Contra Studiengebühren
Von Georg Simic
Seit nunmehr zwei Jahren gibt es hierzulande die Studiengebühren. Dies ist Grund genug, um über das Dauerthema auf deutschen Unis ein kleines Resümee zu ziehen.
Den wohl größten Pluspunkt für die Campusmaut stellen die Mehreinnahmen, den die Hochschulen zu verzeichnen haben, dar. Auf den diversen Webauftritten und Broschüren der Universitäten und Fachhochschulen ist immer wieder von der "Verbesserung der Studienbedingungen" die Rede. Wieviel an positiver Veränderung tatsächlich stattfand, spürt jede Studentin und jeder Student in der Tat unterschiedlich. Am Beispiel der Ludwig Maximilians Universität in München ist dies sehr abhängig vom Studienfach. So haben Studenten und Studentinnen der Italienischen Philologie das Privileg auf ergänzenden Sprachunterricht zurückzugreifen. Die zusätzlichen Lehrstunden sind nur aufgrund der Studiengebühren bezahlbar. Hingegen müssen Studierende der Komparatistik nicht mehr die halbjährliche Kopiergebühr in Höhe von 25 Euro bezahlen. Zugegeben, das Verhältnis zu dem Betrag den die Studien-gebühren ausmachen ist nicht sehr ausgeglichen, allerdings ist solch ein kleines Entgegenkommen nicht in jedem Studienfach Gang und Gebe. So müssen zum Beispiel die Volkswirte von morgen immer noch fast jedes Skript selbst bezahlen.
Hier beginnt schon der erste große Nachteil der Studiengebühren: die Kosten. Ein Student hat es in vielen Fällen ohnehin schon nicht leicht. Viele die nicht ihr Konto bei der "Mama & Papa Bank" haben, müssen selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen. Die Kosten die zum Beispiel für Nahrung, Kleidung, Fahrtkosten, Lernmittel und in vielen Fällen auch Miete ausgegeben werden, führen zum oftmals wahren Klischee des armen Studenten. Wenn dann nun alle sechs Monate auch noch 592 Euro an Studiengebühren sowie Verwaltungs- und Grundbeitrag anfallen, dann kann dies sehr schnell zu finanziellen Engpässen führen. Natürlich gibt es auch Optionen um nicht zwangsläufig exmatrikuliert zu werden. So könnte man nun darauf plädieren, dass jeder Person, welche hierzulande studiert, BAföG zusteht. Dies ist zum einen nur bedingt der Fall; zum anderen ist auch der Höchstsatz des BAföGs so bemessen, dass es gerade mal den Lebensunterhalt deckt. Damit wären wir nun bei den Studienkrediten, auf die auch jede Studentin und jeder Student ein Anrecht hat. Ob darauf zurückgegriffen wird ist eine andere Sache. Die meisten werden durch die zu hohen Zinsen und die damit verbundene Verschuldung abgeschreckt. Aber auch wegen der Angst vor der Wirtschaftslage und den damit verbundenen Fragen, wie zum Beispiel "Werde ich genügend verdienen?" und "Bekomme ich überhaupt einen anständigen Job?", lassen Viele die Finger davon.
Dies führt bei nicht gerade wenig potentiellen Erstsemestlern dazu, dass Studium gar nicht erst zu beginnen, wie eine vor kurzem erschienene Studie vom Bundesforschungsministerium bewies. So gab es im Jahr 2006, als nur zwei Bundesländer die Studienbeiträge verlangten, ganze 18.000 Studienbeginner weniger als im Vorjahr. Da ist es kaum auszumalen wie hoch die Zahl in diesem Jahr ist, wenn mittlerweile Studierende in sechs Bundesländern von den Gebühren betroffen sind. Die Entwicklung die sich hieraus ergibt könnte für Deutschland fatal werden. Denn schon heute beklagen Politiker und Wirtschaftsfunktionäre dass es zu wenig hochqualifizierte Fachkräfte gibt. Aber auch das Vorhaben Deutschland als eines der führenden Forschungsstandorte beizubehalten wird mit solch einer Entwicklung auch immer unwahrscheinlicher.
Zum Schluss wird man sich vielleicht die Frage stellen, wozu dann das Ganze? Leider habe auch ich keine Antwort hierfür. Was ich weiß ist, dass nicht jede Landesregierung so einsichtig ist, wie die von Hessen. Zudem sollte es nicht unerwähnt bleiben, dass der Gesetzgeber die Höhe der Studiengebühren auf mindestens 300 und höchsten 500 Euro festgesetzt hat. Dennoch kenne ich keine Universität, die nicht den Höchstsatz von den Studierenden verlangt. Nicht einmal die Hochschulen wollen den Studenten entgegenkommen, auch wenn diese gerne andere Statements verlauten lassen. Wenn das mal nicht nach Zweckentfremdung riecht...
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