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Pro & Kontra Studiengebühren
Von Sabrina Großmann
"Eine Investition in Wissen bringt noch immer die besten Zinsen." (Benjamin Franklin)
Studiengebühren wurden 2006 erstmals von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen eingeführt. Danach folgten Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg und das Saarland. Die Höhe ist von Land zu Land unterschiedlich, in der Regel 500 Euro pro Semester. Seit der Einführung wird dieses Thema fortlaufend diskutiert. Dabei gibt es sowohl für als auch gegen Studiengebühren einschlägige Argumente.
Pro
1. Ausgleich durch Stipendien
Studienkredite sind relativ leicht zu bekommen und die Zinsen günstig. Empfehlenswert sind beispielsweise die Kredite der staatlichen Förderbank KfW und der DKB. Die KfW bietet einen Kredit bis zu 650 Euro vor allem für die Studenten an, die aus der BAföG-Förderung herausfallen.
2. Mehr finanzielle Möglichkeiten der Hochschulen, Verbesserung des Angebots
Den Universitäten stehen durch die Gebühren ca. 1,4 Milliarden Euro jährlich zur Verfügung. Dadurch werden einerseits leere Hochschulkassen wieder aufgefüllt, zum anderen können Einrichtung und Technik der Hochschulen auf den neuesten Stand gebracht werden.
Durch die Entgeltlichkeit der Ausbildung werden Uni und Student in eine Art "Dienstleistungsverhältnis" hineinversetzt. Somit werden die "Anbieter" in einen Wettbewerb untereinander um die zahlenden "Kunden" gezwungen, der über die Verbesserung von Lehr- und Forschungsangebot ausgetragen wird.
4. Entlastung der Steuerzahler und soziale Gerechtigkeit
Bisher wurde ein Studium von allen deutschen Steuerzahlern finanziert, somit auch von Nicht-Akademikern. Im Jahr 2002 kostete jeder Student in Bayern ca. 8.340 Euro. Im Übrigen können Studenten nach ihrem Studium mit einem weit höheren Einkommen rechnen als Nicht-Akademiker. Es ist folglich sozial gerecht, schon während der Ausbildung für diese spätere Privilegierung einen Ausgleich zu verlangen.
5. Besser Studienleistungen und Einbringung der Studenten
Wenn den Studierenden bewusst ist, dass sie privilegiert sind und ihr Studium einen gewissen Wert hat verbessern sich zum Einen die Studienleistungen, weil mit jedem Semester, das verstreicht, mehr gezahlt werden muss. Zum anderen identifizieren sich die Studenten stärker mit ihrer Universität und nehmen auch an administrativen Entscheidungen teil.
Kontra
1. Ablehnung der Gebühren durch die Studenten
Die Mehrzahl der Studenten lehnt Gebühren ab. 83 % zweifeln daran, dass sie richtig eingesetzt werden. Deutlich wird diese Abneigung vor allem durch die Demonstrationen der Studenten in ganz Deutschland, wie z.B. am 06.07.2006 in Frankfurt am Main, am 13.09.2006 in Berlin, am 26.01.2007 in Karlsruhe, sowie am 30.10.2008 und 02.12.2008 in München.
2. Abwanderung in andere Bundesländer oder Staaten
Bei der aktuellen ungleichen Regelung in den Bundesländern besteht die Gefahr, dass Studenten zu kostenlosen Universitäten abwandern, die folglich hoffnungslos überfüllt wären. Außerdem gibt es auch im europäischen Ausland, z.B. in Skandinavien Ausweichmöglichkeiten, was zur Folge hätte, dass Deutschland immer mehr dringend benötigte Akademiker fehlen würden.
3. Stipendien und Förderung werden von den Steuerzahlern bezahlt
Gerade die gegenwärtige Finanzkrise zeigt, dass die Steuerzahler durch Gebühren keineswegs entlastet werden: Die Stipendien, beispielsweise die der KfW, werden vom Staat gedeckt, und somit letztendlich doch wieder vom Steuerzahler.
4. Rückgang oder Fehlen der finanziellen Förderung von Studenten
2007 bekamen rund 1,4 Prozent weniger Studenten BAföG als im Jahr zuvor. Viele Studenten bekommen die Förderung gar nicht, weil die Eltern zu viel verdienen. Zudem bekommt man BAföG nur für die Regelstudienzeit eines einzigen Studienganges. Wer Probleme hat, die das Studium verzögern, steht also plötzlich ganz ohne Förderung da.
5. Anderweitige Investition der Gebühren
Internationale Erfahrungen zeigen, dass nur ein kleiner Teil der Studiengebühren den Hochschulen zufließen, der Hauptteil fließt in die Verwaltung.
Doch auch wenn die Gebühren den Hochschulen zufließen sollten, würde sich hierdurch nichts merklich verbessern lassen. Die aktuellen Schulden der Hochschulen betragen in Deutschland ca. 4 Milliarden Euro pro Jahr, die Einnahmen durch Studiengebühren jedoch jährlich maximal 1,4 Milliarden Euro.
6. Soziale Ungerechtigkeit auch wegen Abschreckung der Studenten
Mehr als jeder vierte derjenigen, die nicht studieren wollen, führt dafür materielle Gründe wie Angst vor Studiengebühren und Verschuldung an. 2007 waren es knapp 19.000 Neueinschreibungen weniger als im Jahr 2003. Nach Einführung von Studiengebühren ist damit zu rechnen, dass die Jugendlichen auf Berufsausbildungen ausweichen. Dadurch fehlen Deutschland dann die benötigten Akademiker und die Chancen der Hauptschulabsolventen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, schwinden.
7.Schlechtere Studienleistungen wegen benötigter Nebenjobs
Drei Viertel der Studenten arbeiten bis zu 20 Stunden pro Woche. 56% der Studierenden begründen ihre Erwerbstätigkeit mit der Notwendigkeit zur Finanzierung ihres Studiums. Dies hat dann Folgen für Studienleistungen, wenn die Studierenden nicht mehr zum Lernen für die Prüfungen kommen. Dadurch verlängert sich schließlich auch die Studiendauer.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die geforderten Studiengebühren zumindest angemessen sein müssen, also auf einen kleineren Betrag beschränkt und durch entsprechende garantierte Ausgleichsstipendien gedeckt.
Eine andere Möglichkeit wäre ein System, bei dem die Kosten vom Akademiker nach dem Studium zurückgezahlt würden, sobald dieser eine Arbeitstelle mit einem Gehalt aufweisen kann, das ihn dazu befähigt, monatlich einen bestimmten Anteil zurückzuerstatten. Mit so einem Modell wäre versichert, dass nur diejenigen Studenten zahlen müssten, für die sich das Studium finanziell gelohnt hat.
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