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Diskussion um Studiengebühren: „reich studiert, arm bleibt dumm?“
Ein Statement von Sool Park
Bei uns im Institutsgebäude gibt es seit Neuem diese kleinen Aufkleber mit markanten Sprüchen drauf, überall wo man hinschaut. Auf einem ist es zu lesen: „Studiengebühren sind unsozial“, auf einem anderen steht geschrieben: „reich studiert, arm bleibt dumm“. Hinter dieser nahezu naiven Einfältigkeit dieser politischen Botschaften liegt aber ein ziemlich heikles Thema, ein echtes Problem sozusagen, was jeden von uns Studenten angeht. Diskussion um die Einführung (bzw. Abschaffung) der Studiengebühren ist nämlich eine Spezialform der uralten Diskussion um die soziale Gerechtigkeit, die uns schon seit Platons „Politeia“ beschäftigt und worüber wir nach 2500 Jahren immer noch nicht einig sind – es geht alles zurück auf eine elementare Frage: „Was ist eigentlich (soziale) Gerechtigkeit?“
Die Gerechtigkeitskonzeption, die den Gegern der Studiengebühren meistens zugrunde liegt, besagt, dass es sich hier um die Chancengleichheit handle. Wenn wir nicht jedem Menschen unserer Gesellschaft ein gleiches Maß an Glück garantieren können - was an sich sehr wünschenswert wäre - so soll zumindest sichergestellt sein, dass jeder die gleiche Chance bekommt, nach seinem eigenen Glück zu streben. In diesem Streben nach Glück („Pursuit of Happiness“) kann einer durchaus an der Grenze seiner Kräfte oder an seiner Einstellungen zum Leben scheitern, aber an äußeren Umständen solle es eben nicht liegen. Wenn einer seinen Lebenstraum nicht erfüllen kann, nur weil er zu wenig Geld zum studieren hatte, so ist er nicht selbst schuld, sondern es liegt an der Struktur unserer Gesellschaft selbst, die es ihm unmöglich gemacht hat, ein erfüllendes Leben zu führen. Das ist natürlich für sich genommen ein völlig überzeugendes Argument - schließlich studieren wir ja alle, und wenn wir, sagen wir mal, ab dem kommenden SoSe 2,000 Euro zahlen müssten, müsste ich z.B mir ernsthaft überlegen, ob es mir so ganz richtig liegt mit Studieren.
Doch auf der anderen Seite kann man fragen, in wiefern diese Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit konsistent ist mit dem Rest unserer Überzeugungen. Denn es ist durchaus möglich, dass die Idee der Chancengleichheit den Begriff der Gerechtigkeit einfach nicht ausschöpfend erklärt. Deswegen argumentieren oft die Befürwörter der Studiengebühren, dass die Hochschulpolitik, wie alle Politik von Natur aus ist, unzähligen anderen Aspekten und realen Umständen gerecht werden muss – und diese „realen Umstände“ seien ja nichts anderes als unsere eigenen Forderungen, die wir mehr oder weniger für selbstverständlich halten. Wir wollen z.B. dass die deutschen Hochschulen international wettbewerbsfähig sind, dass wir also qualitativ gute Lehrkräfte, Forschungsinstrumente, Bibliotheken (und vielleicht noch eine Bio-Mensa) brauchen, was natürlich von irgendjemanden gezahlt werden muss. Wahrscheinlich wollen wir sogar bessere materiellen Voraussetzungen haben als in anderen Ländern, denn auf der internationalen Ebene wird es bei solchen fragen bekanntlich selten sozial gedacht. Hier gewinnt eben derjenige, der auf eigene Kosten investiert, und wer hier an Chancengleichheit appelliert, wird einfach nicht ernst genommen. Wir tragen eine kollektive Verantwortung an der Zukunft unserer Gesellschaft, und somit auch an der materiellen Qualität unserer Bildungseinrichtungen - und es ist gerecht, dass ein Teil des benötigten Aufwands auf diejenigen zukommt, die diese Leistung gerne in Anspruch nehmen wollen. Etwa so könnte man für die Studiengebühren argumentieren.
Es gibt nun vermutlich noch keine abschließende Antwort auf all diese Fragen und Probleme, beide Seiten scheinen irgendwie recht zu haben; denn wir sind ja gerade erst dabei, einen Diskussionsrahmen zu entwickeln um das spezifische Problem „Studiengebühren“ und es ist mehr als natürlich, dass wir noch verwirrt sind. Daher ist es auch ein äußerst positives Phänomen, dass es bei der Frage um die Studiengebühren heftig diskutiert wird und politische Ideen geformt werden, vielleicht sogar quasi-Ideologien – anders können wir eben gar nicht an die Frage herangehen. Doch man soll sich nicht so leicht verleiten lassen von emotionalisierenden Argumenten und „Sprüchen“, die den Kern der Sache nicht treffen. Was sich hinter den Parolen wie „reich studiert, arm bleibt dumm“ verbirgt, ist nicht nur kein gutes Argument, es ist sogar weniger als ein Argument: solche Parole wirken nämlich hemmend und störend auf eine gesunde und rationale Diskussion um die eigentliche Thematik. Man kann und soll Argumente bringen, für oder gegen die Studiengebühren – aber die Argumente müssen sich auf objektiven Daten stützen, auf ihre logische Konsistenz hin geprüft werden, und man soll bereit sein, das als einen gesellschaftlichen Konsens zu nehmen, was sich am Ende der Diskussion als die vernüftigste Idee bewährt hat. Das ist Idee von Aufklärung und Rationalität, die unsere Gesellschaft geistig zusammenhält. Und schließlich ist ja die Idee „Bildung“ auch nichts anderes als die Bewahrung und Weitergabe dieser Rationalität. Und hierbei geht es gar nicht darum, dass man nur „rational“ diskutierend zu Tische sitzen soll und nie wirklich handeln; Eine politische Handlung ist vielmehr ganz essentiell - aber einer politische Handlung soll stets eine rationale Klärung der Problematik vorausgehen.
Also: man hüte sich lieber vor den Menschen, die mit Aufklebern kommen und sich als „eure persönlichen politischen Aktivisten“ geben; sie sind nämlich gar nicht gegen die Studiengebühren, sondern gegen einen vernüftigen Diskurs und somit gegen das Studium selbst, in dem dieser gerade geübt werden soll. Ich weiß ehrlich gesagt auch gar nicht, wie man auf solche Ideen kommen kann. Vermutlich war man zu arm, um gescheit zu studieren.
studilux/ps
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Ich denke die Aussage, dass die "naiven Parolen" den Kern der Sache nicht treffen ist nur teilweise Richtig. "Reich studiert, arm bleibt dumm" ist der (zugegeben polemisierte und zugespitzte) Kern der studentischen Kritik am aktuellen Trend in Richtung privat finanziertes Studium.
Wenn ein Studium in Zukunft (hypothetisch natürlich) rein privat zu finanzieren wäre, würde diese "geistlose" Parole bis auf einige Einschränkungen (etwa Stipendien für extrem taltentierte Studenten - die v.a. den aktuellen wirtschaftlichen Bedarf entsprechen) den Kern der Sache ziemlich exakt treffen. Ob das wünschenswert ist oder nicht, ist eine ganz andere Frage.
Ein politischer Diskurs ist im Übrigen ebenfalls in vollem gange - nur ist das keinesfalls der einzig legitime weg zur Gestaltung dieses Prozesses, denn: Es handelt sich hier um politische Prozesse und wie bereits im Artikel erwähnt, haben beide Seiten in sich schlüssige Argumentationsketten. Es geht also nicht darum, welche Seite die "besseren" (wer soll dass denn bitteschön beurteilen) Argumente hat, sondern welcher Argumentation der "Wille des Volkes" folgt. Der Volkswille (und die Stimmung des Volkes) sofern man diese vereinheitlichen kann, ist aber keinesfalls allein durch die gewählten Vertreter abgebildet, sondern drückt sich auch in Aktionen wie Demos, Unterschriftensammlung etc. aus.
Abschließend kann man also festhalten, dass Demos zum einen den Willen von Volksgruppen Schlagzeilenartig kundtun und zum anderen der politischen Willensbildung dienen. Also den Zweck verfolgen andere Volksgruppen auf eventuelle Missstände hinzuweisen.
Ich frage mich, ob es nicht unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringt, wenn man hier mit Parolen und Aufklebern hantiert. Natürlich haben solche politische Aktionen wie Demonstrationen u.ä. sinnvolle Aufgabe und Wirkungen, die bei der Gestaltung eines gesunden Diskussionsprozesses in der Gesellschaft nicht fehlen dürfen. Aber nach meiner Meinung soll man sich gerade dabei fragen, ob diese politischen Handlungen, wie sie jetzt im Moment motiviert und ausgeführt werden, nicht zu unerwünschten und unerwarteten Nebenwirkungen führen - Wäre es nicht zweckmäßiger, wenn die politischen "Experten" sich selbst gegenüber eine gewisse geistige Distanz schaffen würden, statt sich selbst und andere vorerst unreflektiert zu emotionalisieren? (ich sage dabei natürlich nicht, dass politisch Handelnde in der Regel unreflektiert sind)
Der Zweck solcher Parolen ist doch Provokation und damit Anrehgung einer Diskusion.
Ich möchte dann nur Fragen, was ist deiner Meinung nach der Sinn einer Demonstration? Wenn wir uns doch alle am Tischsetzen und "rational" diskutieren können, und damit auch die Probleme lösen können(weil ja alle so verständnis voll und diplomatisch sind), ist eine Demonstrarion doch garnicht nötig.
Nicht Parolen sind emotionalisierend und hemmend, sondern die Art und Weise, wie jeder einzelner Mensch damit umgeht, kann vielleicht emotionalisierend wirken.
Außerdem sind unsere "persönlichen politischen Aktivisten“ die wenigsten, die sich mit dem Thema beschäftig haben, und sich eine eigene Meinung gebildet haben.