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26.02.2009
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Hier schreiben Studenten

Statement Pro & Contra Studiengebühren

Von Sophie Kölbl

Pro: Die Erziehung zur Mündigkeit

"Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Bildung klaut" plärren aufgewühlte Abiturienten und Studenten Anfang Dezember 2008 auf einer eher klein angelegten  Demonstration am Geschwister-Scholl-Platz. Diese aussagearmen Slogans, tragen nicht wirklich dazu bei, sich über die Funktion von Studiengebühren im Klaren zu werden. Natürlich erscheint es zunächst unangenehm circa 500 Euro, zumindest an den Münchner Hochschulen, im Semester abzudrücken. Doch bieten die unpopulären Studiengebühren wesentliche Vorteile. Anstatt uns die Bildung zu "klauen", statten sie uns Studierende in Wahrheit mit dem Recht auf Bildung aus-  denn durch die Beiträge leisten wir unseren Dienst an der Hochschule. Wir erwerben damit den Anspruch eine qualitative und hochwertige Bildung einfordern zu dürfen. Die 1,4 Milliarden Euro verlaufen nicht, wie zunächst befürchtet, in den Verwaltungsmühlen der Universität. Seit Einführung der Gebühren zum Sommersemester 2007 konnte eine Vielzahl an neuen  und zum Teil international renommierten Lehrkräften angeworben werden. Waren 2004 an der LMU noch 5.302 Mitarbeiter beschäftigt, erhöhte sich 2008 die Zahl auf 12.180.   Das Lehrangebot wurde gesteigert und die Kurse, in logischer Konsequenz, verkleinert. Darüber hinaus machen sich die Studenten jetzt mehr Gedanken über eine effiziente Studiengestaltung. Jedes Semester mehr, bedeuten 500 euro versenkte Kosten. Es wird schneller und zielstrebiger studiert, was die Motivation in den Seminaren verbessert. Das Problem des Langzeitstudenten, der im 13. Semester sein Studium schmeißt, fällt langfristig dadurch weg. Im Jahr 2004 studierten 46.885 Personen an der LMU. 2008 waren es 44.402 eingeschriebene Studenten. Der geringfügige Rückgang der Zahl der Studierenden, lässt sich wohl eher durch die verkürzten Studienzeiten im Zuge der Bachelor Umstellung erklären, als durch ein Aussieben der sozial Schwachen. Jedes betroffene Bundesland hat darüber hinaus mit der Einführung von Studienbeiträgen auch faire Finanzierungsmöglichkeiten für betroffene Studenten in Aussicht gestellt. Das Studien-Darlehn muss nach dem Studium abbezahlt werden und auch erst dann, wenn eine feste Anstellung erfolgt ist. Wir Studierenden erhalten durch die Eigenfinanzierung unseres Studiums mehr Mündigkeit. Wir sind durch unsere Zuzahlungen befreit vom Wohlwollen des Steuerzahlers. Kann denn auch von einem Handwerkermeister verlangt werden circa vier Jahre Studium eines Ethnologie Studenten mit zu tragen, wo doch wahrscheinlich nichts weiter von seiner Lebenswelt entfernst ist? Die Einführung der Beiträge ist also kein "Klau" sondern ein Gewinn für die Studenten. Da gibt es keinen Grund zu plärren.

Contra: Effizienz statt Kompetenz

"Jeder Bewohner Bayerns hat Anspruch darauf, eine seinen erkennbaren Fähigkeiten und seiner inneren Berufung entsprechenden Ausbildung zu erhalten". Dieser in der Bayerischen Verfassung niedergelegter Grundsatzes war wohl den meisten CSU Genossen bei ihrer Abstimmung am 18. Mai 2006 entfallen. Der Bayerische Landtag beschloß mit einer satten Mehrheit die Einführung von Studiengebühren zum Sommersemester 2007. Seitdem überweisen auch die Münchner Studenten fleißig ihre 500 Euro pro Semester auf das Universitätskonto- Kreditinstitut, die Bayern LB. Damit legte die Regierung eine hohe Hürde. Besonders Abiturienten aus ärmeren Elternhäusern schrecken vor der Aufnahme eines Studiums zurück. Das bestätigt auch die im Oktober 2008 veröffentlichte Studie des Hochschulinformationssystems (HIS). Vor allem junge Frauen und Kinder von Eltern die keine Uni besucht haben, entscheiden sich häufig gegen eine Hochschulausbildung. Und was ist mit Nebenjob- kein Problem? Schon im ersten Semester VWL wird man über die Effizienz von Beschäftigungen auf 400 Euro Basis aufgeklärt: je weniger Zeit zum studieren bleibt, desto länger dauert das Studium und das wird umso teurer!  Also fleißig in die überfüllten Bibliotheken setzen, Oropax nicht vergessen und Studienkredite aufnehmen. Dann geht´s ab in den Arbeitsmarkt, verschuldet und erst einmal ein unbezahltes Praktikum annehmen. Schließlich muss der gutwillige Arbeitgeber Aufschluß über Teamfähigkeit, Schlüsselqualifikationen und Softskills erhalten. Soll das die bayerische Bildungswirklichkeit sein? Thukydides, Homer, Aristoteles und Hippokrates- die " vier Heiligen Dreikönige"- an der Freitreppe der bayerischen Staatsbibliothek haben sich die Zukunft des wissenschaftlichen Nachwuchses sicher etwas anders vorgestellt. Doch was helfen schon die alten Ideale im täglichen (Überlebens-)Kampf  um Sponsorengelder. Denn auch die Lehrstühle sind zunehmend auf Forschungsgelder aus der Industrie angewiesen. Da bringt, die im Verhältnis geringe Summe an Studienbeiträgen die den jeweiligen Lehreinheiten zugestanden wird, auch nicht viel. Die Exzellenzinitiative zur Förderung der universitären Spitzenforschung  hat einen Wettlauf um Drittmittel initiiert. Die Professoren müssen in umständlichen Verfahren nachweisen, dass ihre Forschung zum Exzellenzcluster beiträgt. Auch intern wächst also die Konkurrenz. Das hat zur Folge, dass die Professoren sich zu Forschungssemestern freistellen lassen. Die Lehre, die sowieso kein Geld in die Kassen spielt, schaut in die Röhre. Vergessen, die Einheit von Forschung und Lehre, einst ein unverbrüchlicher akademischer Grundsatz. Die Entwicklungen in der Betriebswirtschaft Hochschule sind bedenklich. Wenn fortan der Wohlstand der Eltern darüber entscheidet ob ein Abiturient ein Studium aufnehmen kann, dann sollte Artikel 128 aus der Verfassung der Freistaates Bayern gestrichen werden. Die CSU macht das sicher gerne.

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