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23.06.2009
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Pro & Contra Studiengebühren

Ein Statement von Ann Kristin Lins

Die Diskussionen reißen nicht ab: Seit nunmehr fünf Semestern müssen in Bayern Studiengebühren gezahlt werden. Ist das nun positiv, oder eine völlig willkürliche finanzielle Belastung für die Studenten?

Dass die Studiengebühren Vorteile haben ist nicht zu übersehen. Selbst eingefleischte Gegner dieser neuen Maßnahme freuen sich über längere Öffnungszeiten der Bibliotheken, einen umfangreicheren Buchbestand, oder kostenlose Reader in Seminaren. War es das, was die Bundesregierung im Kopf hatte, als die Idee der Einführung solcher Gebühren auf den Tisch kam? Nun ja, den Hochschulen sollen durch die Gebühren zusätzliche Mittel zu Ausbildungszwecken zur Verfügung stehen. Die Ausbildungssituation und die Qualität der Lehre sollen dadurch verbessert werden. Wird das durch längere Öffnungszeiten der Bibliothek erreicht? Im Kleinen, sicherlich. Aber da stellt sich doch die Frage der Verhältnismäßigkeit: 500 € pro Student und pro Semester, und alles was erreicht wird, sind Kleinigkeiten.

Einstellung und angemessene Bezahlung von höher qualifizierten und engagierten, motivierten Dozenten, so etwas stellt man sich doch unter verbesserter Qualität der Lehre vor! Stattdessen hört man, dass die Haushaltslöcher der Universitäten mit den zusätzlichen Geldern gestopft werden.

Man bekommt als Student das Gefühl, dass Bund und Länder kein besonderes Interesse an der finanziellen Förderung des Bildungssystems, vor allem im Bereich der Hochschulen, haben. Und nun sollen die Studenten selbst dafür sorgen dass ihren Universitäten genug Geld bleibt, um gerade mal den Standard aufrecht zu erhalten. Vielleicht ist das nur ungewohnt, und wir Deutschen hatten bisher einfach Glück. In den meisten anderen Ländern sind Studiengebühren schließlich längst etwas Selbstverständliches. Vielleicht ist es fair, dass jeder selbst zur Sicherstellung seiner Ausbildung beitragen muss.

Doch was ist die Konsequenz? Studieren ist eh schon für die allermeisten ein finanzieller Kraftakt. Natürlich gibt es solche, deren elterliche Geldquelle nie versiegt, doch das ist nicht der Durchschnittstudent. Selbst diejenigen, die komplett von ihren Eltern finanziert werden, sind meistens knapp bei Kasse, schließlich ist so ein Studium teuer. Eigene Wohnung, Lebensmittel, Bücher und andere notwendige Materialien lassen wenig Spielraum, selbst bei einem großzügigen elterlichen Budget. Und besonders wenn man in einer Stadt wie München studiert. Und dann gibt es ja auch noch die, deren Eltern selbst nicht über die Mittel verfügen ihr Kind im Studium zu unterstützen. Die trotz Bafög regelmäßig arbeiten gehen müssen, um sich ein Studium überhaupt leisten zu können.

Und auf all diese bereits vorhandenen Probleme werden nun noch Studiengebühren draufgesetzt, die natürlich auch gerne bis zur gesetzlichen Höchstgrenze ausgeschöpft werden. Nun wird gerne eingewandt, dass es doch Befreiungsmöglichkeiten gibt! Ja. Für Schwerbehinderte. Junge Eltern. Hochbegabte. Sogenannte Härtefälle. Das ist ein verschwindend geringer Teil! Und welche Optionen bleiben dem Rest?

Im glücklichsten Fall hat man Eltern, die die Möglichkeit, und auch den Willen haben, ihrem Kind noch 1000 € pro Studienjahr zusätzlich zur Verfügung zu stellen. Wer nicht so gut dran ist, dem bleibt nur ein Studiendarlehen, was bedeutet, sich schon vor dem Eintritt in das Berufsleben hoch zu verschulden. Und heutzutage ist nach einem Studium nicht nur keine Garantie auf einen Job gegeben: Es ist in den meisten Berufszweigen wahrscheinlich, dass man zunächst bloß ein un- oder unterbezahltes Praktikum erwischt. Wann soll dieses Darlehen also letztendlich abbezahlt werden? Wann kann der Student die Früchte seiner langen Ausbildung und Arbeit endlich genießen? 

Bei diesen Aussichten liegt es Nahe, sich von vorneherein gegen ein Studium zu entscheiden. Für eine Ausbildung muss man sich nicht verschulden, im Gegenteil wird diese meist sogar vergütet. Dazu kommt, dass ein Studium nicht mehr zwangsläufig einen Vorteil auf dem Arbeitsmarkt mit sich bringt.

Und gleichzeitig stöhnt die Bundesregierung, weil die Deutschen so schlecht ausgebildet sind. Der Versuch, etwas zu verändern, ist sicher ein lobenswerter Ansatz. Doch ist der Schuss in diesem Fall nach hinten losgegangen.

Vielleicht wäre eine geringere Belastung durch einen kleineren Betrag nicht auf so viel Widerstand gestoßen. Und sicher fehlen klare Regeln und Abgrenzung, wofür die Gelder verwendet werden dürfen, sowie eine wirksame Kontrollinstanz, um die Einhaltung auch sicher zu stellen.

Es muss eine Lösung her, eine studentenfreundlichere Lösung. Doch diese kann nur gefunden werden, wenn sich die zuständigen Stellen endlich einmal ernsthafte Gedanken über die Situation aller Beteiligten machen.

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