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11.08.2009
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Studiengebühren: Ein zweischneidiges Schwert ohne Gegenwehr

Ein Statement von Laura Klettke

Einige sind engagiert dagegen. Manche argumentieren überzeugt dafür. Gründe für ihre Haltung gegenüber Studiengebühren haben beide.

So sprechen die Gegner von noch größeren Hürden für Jene, die nicht von den Eltern gesponsert werden. Die Finanzierung von Lebensunterhalt, Studienmaterial und nun neben den Semester- auch noch Studiengebühren, sei für Viele nicht mehr zu bewältigen. Da der einzige mögliche Ausweg, die Verschuldung, als zu riskant empfunden werde, bleibt der Zugang zur Bildung begrenzt und einkommensabhängig. Dabei braucht Deutschland doch gut ausgebildete, junge Leute.

Die Befürworter eröffnen ihr Plädoyer meist mit dem Angriff auf Langzeitstudenten. Diese gingen ihrem Studium als ziellosen Zeitvertreib nach und würden unnötige Kosten verursachen. Für die Regelstudienzeit sei die Gebühr ohne große Probleme durch einen Kredit aufzubringen. Die Kosten einer Eliteausbildung, die ein höheres Einkommen ermöglichen wird, sollten nicht von der gesamten Gesellschaft getragen werden müssen. Außerdem würden die Gebühren nachweislich, wenn auch nur teilweise, zum direkten Wohl der Studierenden eingesetzt.

Beide Argumentationen haben ihre Berechtigung. Denn Werte wie Gerechtigkeit oder soziales Handeln sind schwer zu fassen. Wann wird die Belastung der Studierende, und wann die der Steuerzahler zu stark? Wäre es möglich neben dem Status Quo in Deutschland auch andere Länder als Referenzpunkt betrachten?

Die Gegner oder die Befürworter könnten Recht haben. Vielleicht haben sie es auch beide. In jedem Fall aber, haben sie ihren Kommilitonen, die immer noch die größte Gruppe in dieser Diskussion bilden, etwas voraus: Sie haben eine Meinung.

Denn die meisten Studenten sind weder wirklich für, noch klar gegen eine Studierenden-Gebühr. Sie können nicht dafür sein. Denn auch wenn sie manche Aspekte daran sinnvoll finden – das Geld würden sie trotzdem gerne behalten. Als unsozial möchten sie auch nicht gelten, gerade wenn der Überweisungsträger von der Uni regelmäßig von den Eltern ausgefüllt wird. Doch auch vor einer klaren Gegenposition schrecken sie zurück. Denn es lauert demjenigen der Vorwurf der Inkonsequenz, der nicht mit bemaltem T-Shirt Demonstrationsparolen ruft.

Diese Grüppchen sind meist aufs Höchste motiviert und vertreten in aller Radikalität ihre Position. Wäre dies überhaupt ein Platz für jeden Studierenden?

Ja, der wäre es. Denn sie könnten ökonomische Argumente vorlegen. Sie könnten rationale Forderungen vortragen. Sie könnten als Lobby statt als klagende Weltverbesserer wahrgenommen werden. Sie könnten sich in der Theorie und der Empirie, vielleicht sogar in den Künsten, bedienen. Sie könnten schließlich das Wissen und auch die Macht einsetzen, die der geistiger Nachwuchs innehat und sich einfach mal zur Wehr setzen.

Aber das tut die Masse der Studenten nicht. Denn sie schaut ängstlich auf Klausuranmeldetermine, Scheinnachreichfristen und hofft auf einen Platz im Seminar – oder zumindest auf einen Sitzplatz in der Vorlesung. Sie wollen den Nebenjob für die berufliche Qualifikation, das unbezahlte Praktikum für die Ferien und das Auslandssemester für den Lebenslauf. Im höheren Semester fällt ihnen auf, dass an dem Gerede von der Studienzeit als wertvolle Zeit der Ausprobieren und der Prägung vielleicht doch etwas Wahres dran sein könnte. Wenn sie also gerade gelernt haben, dem Leistungsdruck entgegenzustehen und ihre Studienzeit wertvoll zu nutzen  – dann sind sie bereits zu nah am Abschluss für ein weit reichendes Engagement.

So bleibt der Durchschnittstudent  also bei der Diskussion um Studiengebühren im Hintergrund; und damit hinter seiner Feigheit, seiner Faulheit oder seinem Leistungsdruck –und leider weit hinter seinen Möglichkeiten zurück.

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