Effizienteres Studieren durch Studiengebühren!?
Oder wie Politiker sich selbst belügen!
Ein Statement von Lydia Wünsch
Ja, ja das leidige Thema Studiengebühren. Seit ihrer Einführung 2007 werden sie heftig diskutiert und ein Ende der Diskussionen scheint nicht in Sicht zu sein.
Befürworter von Studiengebühren argumentieren häufig damit, dass die öffentlichen Kassen leer seien und somit anderweitig Geld für die Hochschulen herangeschafft werden muss. Da liegt es nahe, dass man die Studierenden selbst zur Finanzierung heranzieht, denn schließlich sind sie die direkten Nutznießer der „Ware“ Bildung.
Ein weiteres sehr beliebtes Argument für Studiengebühren ist natürlich das viel effizientere Studieren durch das Druckmittel Geld, was wiederum zu einem erhofften pünktlichen Abschluss und letztendlich dazu führen soll, dass die Studenten möglichst schnell dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Zudem verbessern die Studiengebühren die Lernbedingungen derartig - z.B. durch das vielfach gelobte „kostenlose“ Bereitstellen von Kopien und Handouts – dass einem schnellen Abschluss ja praktisch nichts mehr im Wege steht.
Für diejenigen, die nicht mit einem wohlhabenden Elternhaus gesegnet sind gibt es dann auch noch diverse Kreditmöglichkeiten, die einem helfen sollen, das Studium zu finanzieren und dabei nicht zu verhungern, sodass auch für alle gesorgt ist und Studiengebühren somit durchaus als „sozial verträglich“ angesehen werden können, wie Politiker immer wieder gerne verlauten lassen. Davon abgesehen, dass Gebühren in Höhe von 500,00 € auch nicht als zu hoch erachtet werden können, wenn man sie mal mit „all den anderen“ Industrieländern vergleicht, in denen es viel höhere Gebühren gibt, wie zum Beispiel in unserem „große Vorbild“ USA.
So viel spricht also für die erfolgreiche Einführung der Studiengebühren, doch aus irgendeinem Grund fällt es schwer, die Argumente wirklich stichhaltig zu begründen und so zu untermauern, dass ihnen nichts mehr entgegenzusetzen ist.
Mal sehen, woran das wohl liegen könnte: Sieht man sich zunächst mal das Argument der leeren Staatskassen an, so muss man sich zwangsläufig fragen, wie es die verarmten Kassen schaffen, Gelder in Milliardenhöhe für Banken zu bewilligen, es aber nicht fertig bringen, in Deutschlands Bildungsnachwuchs zu investieren. Dieser Nachwuchs, der nicht entlastet, sondern stattdessen zusätzlich belastet wird, soll also zielgerichteter als vorher studieren, weil er nun dem Druck der Studiengebühren ausgesetzt ist. Was zu der Frage führt, was denn die Studenten vorher anderes getan haben.
Mit Sicherheit hatten sie mehr Zeit zum Studieren, denn viele müssen mittlerweile nebenbei arbeiten um sich das Studium und ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können, wodurch Prüfungen schlechter abgeschlossen oder evtl. gar nicht bestanden werden, was in der Regel zu einer Verlängerung der Studienzeit führt. Teilweise müssen sogar Urlaubssemester eingelegt werden um erst mal wieder Geld herbeizuschaffen bevor weiterstudiert werden kann.
Zudem fehlt natürlich die Zeit für freiwillige Aktivitäten, wie zum Beispiel politisches Engagement, Praktika, Mitarbeit in den Fachschaften etc. was ein wichtiger Bestandteil des studentischen Lebens ist. Schließlich sollen Studenten lernen, kritisch zu denken, sich eine eigene, freie und individuelle Meinung zu bilden und vor allem eigenbestimmt und eigenverantwortlich zu arbeiten und nicht zu sogenannten Fachidioten erzogen werde. Angetrieben werden sollten sie durch Leidenschaft und Engagement und nicht durch finanziellen Druck. Statt Freidenker, werden also nur noch Konsumenten erzogen, die so sehr damit beschäftig sind, dem Konsum der Bildung nachzugehen, dass sie keine Zeit mehr zum Denken haben; Was den Politikern natürlich sehr entgegen kommt, denn ein frei denkender Mensch ist auch immer ein unangenehmer Mensch und stellt kritisch ihre „tollen Ideen“ in Frage.
Davon mal ganz abgesehen, dass dieses Druckmittel nicht notwendig ist, um Studenten von der Notwendigkeit eines pünktlichen Abschlusses zu überzeugen, wenn man bedenkt, dass das BAföG nur für die Regelstudienzeit gezahlt wird und man danach ohne finanzielle Hilfe dasteht. Schließlich studierten die Meisten schon bereits vor der Einführung der Gebühren nicht ausschließlich zu ihrem privaten Vergnügen, wie es von den Politikern manchmal dargestellt wird sondern hatten auch schon vorher das Ziel vor Augen, den Abschluss zu machen und dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Denn auch Leidenschaft und Spaß am Studium ist Motivation genug um „effizient“ zu studieren - was immer man auch darunter verstehen mag. Sicher ist jedenfalls, dass effizientes Studieren nicht mit schnellem Studieren gleichzusetzen ist.
Auch das Argument der Kreditmöglichkeiten löst sich schnell in Luft auf, wenn man bedenkt, dass viele Menschen aus der Unter- u. Mittelschicht sich dennoch aus finanziellen Gründen gegen ein Studium entscheiden. Vielen ist die Vorstellung einer derart hohen Verschuldung Grund genug. Schließlich muss auch das BAföG zum großen Teil zurückgezahlt werden. Dass man sich darüber hinaus nicht noch mehr verschulden möchte ist daher nur logisch.
Schlussendlich kann keiner sagen, ob die Gebühren wirklich bei 500,00 € pro Semester bleiben, denn so wie sie von heute auf Morgen eingeführt wurden, können sie sich jederzeit erhöhen, was sie logischerweise auch tun werden, sobald die Stimmen der Gegner verstummen werden. Schließlich erhöhen sich alle Gebühren, Steuern, etc. oft genug um diese Prognose zu rechtfertigen.
Aus diesem Grund ist es wichtig, die Diskussion am Leben zu erhalten um diese Entwicklung zu vermeiden. Denn wer will schon in einem Deutschland leben, in dem man tausende von Euro pro Semester zahlen muss und in dem es nicht mehr auf die Leistung, sondern nur noch auf Geld ankommt?
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