Job & Finanzmarktkrise - Ingenieure und Informatiker
Von Kay Szantyr
Ingenieure und Informatiker
Automobilhersteller
Als die Erhöhung der Ökosteuer 2003 in die letzte Runde ging, gab es ein großes Heulen und Wehklagen in den Reihen der deutschen Autohersteller. Bei derart gestiegenen Kraftstoffpreisen, hieß es damals, könne sich doch niemand mehr ein Auto leisten. Hätten BMW, Daimler und Co. die heutige Entwicklung vorausgeahnt, wären sie vermutlich ruhiger geblieben: Benzinpreise auf Rekordhöhe, neue Verordnungen für den CO2-Ausstoß - und eine Finanzkrise, die unter den Fahrzeugproduzenten ihre ersten Opfer fand.
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Ob diese geänderten Voraussetzungen sich in den Rankings der beliebtesten Arbeitgeber für Ingenieure im kommenden Jahr niederschlagen werden, wird sich zeigen. Für 2008 sagten Studenten und Absolventen der technischen Studiengänge noch mit überwiegender Mehrheit: Mein Traumjob ist bei Audi, Porsche und BMW. Und heute, nachdem die erste Welle der Finanzkrise auch über Deutschland spülte? Audi, erst seit diesem Jahr auf Platz eins des Rankings (Manager-Magazin), verbreitet weiter Optimismus: Im September 2008 verzeichneten die Ingolstädter den besten Autoabsatz aller Zeiten. Hier profitiert Audi eindeutig von der geringeren Abhängigkeit vom US-Markt als viele der Konkurrenten. Über Stellenabbau wurde bisher noch nichts bekannt. Ob sich Audi aber in der momentanen Situation vergrößern wird, darf doch bezweifelt werden. Die Chancen für Absolventen sind - zumal bei dem großen Bewerberandrang, den der beliebteste Arbeitgeber der Ingenieure erlebt - also nicht gerade rosig. Platz zwei, Porsche, enthält sich ebenfalls eindeutiger Äußerungen und freut sich im Moment vor allem über den Effekt, den der Einkauf bei Volkswagen auf die VW-Aktien hat. Der jahrelange Platzhirsch der Beliebtheitsskala, BMW, musste dagegen schon Einstellungsstopps, Stellenabbau und Produktionsrückgang bekannt geben. Und die Prognosen für kommendes Jahr sind nicht günstiger.
Fazit
Wer also 2008 oder 2009 sein Ingenieurstudium beendet, sollte sich von den alten Traumarbeitgebern verabschieden. Die Automobilbranche leidet unter so vielen Einflüssen, vom hohen Ölpreis bis zur allgemeinen Konsumzurückhaltung, dass die Einstellungszahlen der kommenden Jahre ausgesprochen gering ausfallen dürften.
IT und Telekommunikation
Besser sieht es da auf den nächsten Rängen aus. Siemens mag ein Verlierer in Sachen Ansehen sein - in Zeiten der Finanzkrise aber ist der Technologiekonzern mit Stammsitz in München ein Gewinner. Nach jahrelangem Stellenabbau plant Siemens auch im kommenden Jahr Neueinstellungen. In welchem Sektor diese erfolgen werden, wurde zwar noch nicht publik gemacht - aber mit Sicherheit profitieren auch junge Ingenieure von den Planungen. Schließlich gibt sich auch die IT- und Telekommunikationsbranche optimistisch; sie spürt von den Folgen der Finanzkrise (noch) recht wenig.
Hinzu kommt, dass Absolventen hier weiterhin von dem über Jahre gewachsenen Ingenieursmangel profitieren: Da in der Branche Tausende gut ausgebildete Nachwuchskräfte und Young Professionals fehlen, reduziert sich momentan lediglich der Mangel, es kommt aber (meist) nicht zu Entlassungen. Dasselbe gilt für die allerorten verzweifelt gesuchten Informatiker. Allerdings muss man auch hier differenzieren: Wo der Mittelstand weiter kräftig einstellt, haben die Branchengrößten zu kämpfen. SAP, der Global Player aus dem badischen Walldorf, hatte große Pläne für 2008: 3500 Einstellungen waren geplant. Derzeit scheinen 2000 realistischer. Auch Entlassungen werden nicht ausgeschlossen. Schlechte Zeiten für Informatiker auch bei Microsoft Deutschland. Der amerikanische Mutterkonzern muss sich, wie auch andere internationale Software-Produzenten, auf Milliardeneinbußen einstellen - eine Aussicht, die an der deutschen Tochter sicher nicht spurlos vorbeigeht.
Schließlich werden auch hierzulande die Aufträge zurückgehen, wenn Unternehmen ihre Technologie-Etats kürzen müssen. Einige Branchenkenner gehen sogar von einem verbreiteten Trend zu Open-Source-Produkten aus. Aber wie überall gibt es auch hier Ausnahmen: Intel und Appel berichten weiterhin über rege Nachfrage vor allem aus dem Mittelstand, und beispielsweise der Halbleitermarkt zeigt noch keine Schwäche, weil unter anderem der Handy-Absatz stieg.
Fazit
Wer also gerade kurz vorm Abschluss seines Ingenieurstudiums steht und mit einem Einstieg in die IT-oder Telekommunikationsbranche liebäugelt, dürfte zumindest heute noch gute Jobchancen haben. Besonders gefragt sind Spezialisten im IT-Marketing, Softwareentwickler und IT-Projektmanager. Dass die Branche 2009 oder 2010 allerdings noch die Auswirkungen der Finanzkrise zu spüren bekommt, ist jedoch nicht ausgeschlossen.
Baubranche
Während die deutsche Vorzeigebranche, die Fahrzeugindustrie, verliert, hält sich ein im letzten Jahrzehnt chronisch kränkelnder Markt erstaunlich gut. Absolventen des Bauingenieurwesens oder der Architektur müssen also noch nicht fürchten, dass die gerade gestoppte Talfahrt der Branche wieder einsetzt. Auch sie profitieren noch von der Verknappung des Nachwuchses: Weil die Aufträge bis 2006 ausblieben und in den Baufirmen drastisch Personal reduziert wurde, entschlossen sich nur wenige Abiturienten dazu, Architekt oder Bauingenieur zu werden. Entsprechend wenig Nachwuchs kommt nun auf den Markt. Die Auftragsbücher aber sind voll - zumindest für das nächste Jahr. Allerdings bleibt eine Grundwahrheit mit Sicherheit bestehen: Die Baubranche ist eine der konjunkturabhängigsten; auch große Bauträger werden also zwei Mal prüfen, ob sie derzeit wirklich investieren wollen und können. Große Hoffnungen weckte jedoch das beschlossene Konjunkturpaket der Bundesregierung, das vorgezogene Renovierungen an Bahnhöfen oder Autobahnen vorsieht und so vor allem kleinen Unternehmen und dem Mittelstand durch die Krise helfen soll.
Maschinenbau
Verkehrte Welt: Während die Baubranche optimistisch bleibt, verliert eine der wachstumsstärksten Branchen der letzten Jahre an Boden. Werkzeuge werden zwar weiter produziert, Textilmaschinen aber beispielsweise kaum noch. Die Auftraggeber nehmen inzwischen sogar Vertragsstrafen in Kauf, um die georderten, aber überflüssig gewordenen Maschinen nicht abnehmen zu müssen. Branchenriesen wie die bei Studenten und Absolventen beliebte Robert Bosch GmbH bekommen das schmerzhaft zu spüren - insbesondere, wenn sie auch noch die Auto-Industrie beliefern. Aber nicht alle Industriezweige sind gleich stark betroffen. Maschinenbau-Absolventen können ihre Nische durchaus noch finden, zumal auch hier ein so starker Nachwuchsmangel in den letzten Jahren entstand, dass ein recht großer "Puffer" vorhanden ist. Gewinner der hohen Ölpreise werden vermutlich die alternativen Energien sein und damit - trotz entgegenlautender Meldungen zu Jahresbeginn - die Hersteller von Solarzellen oder Windkraftwerken.
studilux/ks
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