Job & Finanzmarktkrise - Naturwissenschaftler
Von Kay Szantyr
Naturwissenschaftler
Wissenschaftliche Forschung
Ausnahmsweise sind sich fast alle Politiker einig: Ein Sparkurs bei den geplanten Investitionen in Forschung und Bildung wäre der größte Fehler, der zur Zeit der Finanzkrise begangen werden könnte. Schließlich wird es mit der Wirtschaft irgendwann wieder bergauf gehen - und das nur, wenn gut ausgebildeter Nachwuchs sich gemeinsam mit den Managern dafür einsetzt und auch nur, wenn dann noch mehr gut ausgebildeter Nachwuchs bereit steht für die neuen Jobs.
Ein Glück für die vielen Absolventen naturwissenschaftlicher Studiengänge, die am liebsten bei Forschungseinrichtungen wie dem Max-Planck-Institut oder der Fraunhofer-Gesellschaft einsteigen würden. Bleibt zu hoffen, dass die Politik nicht nur große Versprechungen macht, sondern tatsächlich die entsprechenden Forschungsbudgets bereitstellt. Selbst dann aber sind die Stellen bei diesen Institutionen begrenzt - vor allem für Absolventen ohne Berufserfahrung und entsprechendes wissenschaftliches Renommee.
Weiterführende Artikeln:
Chemie
Also doch lieber zu den Chemie- und Pharmakonzernen, die sich auf den vorderen Rängen in den Beliebtheits-Rankings tummeln (Wirtschaftswoche)? Bayer, BASF, Merck, Schering - diese Unternehmen versprechen international ausgerichtetes Arbeiten und große Abteilungen für Forschung und Entwicklung. Bislang. Hohe Ölpreise schaden der Chemikaliensparte, und die ersten Einsparungen werden traditionell bei den Investitionen in die Forschung und die Entwicklung neuer Produkte gemacht. Die Entwicklung anderer Branchen hat ebenfalls Auswirkungen auf die Konzerne, die unter anderem Chemie und Lacke für den Bau und die Fahrzeugherstellung liefern. Noch halten sich die Einbußen zwar in Grenzen, Stellenstreichungen und Einstellungsstopps wurden dennoch bereits lebhaft diskutiert.
Pharma
Die wirtschaftliche Entwicklung bereitet vielen Menschen starke Kopfschmerzen - vielleicht ist deshalb die Pharmaindustrie eine von ganz wenigen Sparten, die durch die Krise nicht betroffen ist. Die Nachfrage ist ungebrochen, die Produktion läuft gut. Damit sind auch die Jobchancen in der Pharmaindustrie wie in den letzten Jahren für hochqualifizierte Absolventen gut. Allerdings könnte die Finanzkrise die Branche dennoch mit Verspätung treffen: Wenn die Regierung beschließt, Geld zu sparen - und zwar bei der Gesundheitsversorgung. Das ist derzeit nicht geplant, aber auch nicht absehbar. Im Moment jedenfalls sind die Beschäftigungszahlen stabil, sodass eine stete, wenn auch nicht durch einen Mangel getriebene Nachfrage nach guten (meist Master- oder Promotions-)Absolventen besteht.
Beratung & Patentrecht
Langsam setzt sich der Gedanke auch bei den Studenten durch, dass man mit Naturwissenschaften mehr kann als in die Lehre oder in die Forschung einsteigen. Die großen Unternehmensberatungen beispielsweise sind an Biologen, Physikern oder Chemikern ebenso interessiert wie an Ingenieuren. Was bei den Wirtschaftswissenschaftlern als kleines "Caveat" gilt - dass die großen Consulting-Firmen sich eventuell auf härtere Zeiten und mehr Konkurrenz aus dem Inhouse-Consulting einstellen müssen - betrifft die Ingenieure und Naturwissenschaftler mit Beratungsaffinität kaum. Da sie traditionell in der Branche im Sinne der Vielfalt gesucht, aber noch viel zu selten gefunden werden, haben sie weiterhin gute Einstiegschancen. Eine zweite Karrieremöglichkeit finden Naturwissenschaftler - wiederum wie Ingenieure - im Patentrecht. Auch hier dürfte die Finanzkrise zunächst wenig Auswirkungen haben, es sei denn, die sinkenden Forschungsinvestitionen machen sich in drastischen Einbrüchen bei Erfindungen bemerkbar.
studilux/ks
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