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Finanzkrise - Wirtschaftswissenschaftler
28.10.2008
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Job & Finanzmarktkrise - Wirtschaftwissenschaftler

Von Kay Szantyr

Wirtschaftswissenschaftler

Auch die Wirtschaftswissenschaftler müssen sich von ihren liebsten zukünftigen Arbeitgebern trennen - die Autoindustrie braucht sie derzeit nämlich nicht. Vor allem bei den kleineren Beratungsfirmen aber könnte bald eine Einstellungswelle erfolgen.

Beratung

Geht es der Wirtschaft schlecht, geht es den Consulting-Firmen gut - schließlich rufen die schwächelnden Unternehmen lauthals nach Rat, wie sie die Finanzkrise überstehen können. Personalabbau? Investitionsstopp? Produktionsverlagerung? Oder gleich alles auf einmal? Die Unternehmensberatungen können aus den Vollen schöpfen - sofern sie genug Berater haben. Gute Zeiten für Absolventen, die sich ohnehin schon immer einen Einstieg bei den Großen der Branche wünschten?

Wie so vieles in Zeiten der Finanzkrise sind auch die Aussichten für die Unternehmensberatungen zu relativieren. Viele Unternehmen, die in den vergangenen Jahren große Budgets für externe Beratungsleistungen zur Verfügung stellten, erinnern sich wieder an ihre unternehmensinternen Experten. Inhouse-Consulting ist ohnehin ein Trend der vergangenen Jahre, der sich nun in Zeiten der Budgetknappheit verstärken wird. Wer in die Beratung gehen will, sollte den Suchhorizont also ein wenig erweitern. Vielleicht muss es ja nicht gleich McKinsey sein - denn oft bietet die interne Beratungsabteilung eines internationalen Unternehmens auch interessante Karriereaussichten.

Wer sich intern beraten lässt, braucht keine externe Beratung mehr, zumal die Honorare für diese in den letzten Jahren in schwindelerregende Höhen gestiegen waren. Die Beratung Ernst & Young bekam das als eine der ersten zu spüren und musste ihre Wachstumsaussichten schon letztes Jahr nach unten korrigieren. Grundsätzlich dürften die Wirtschaftsberatungen unter der Finanzkrise kaum leiden - schließlich sind die Unternehmen, die heute noch Kredite erhalten wollen, auf eine lückenlose und transparente Darlegung ihrer Finanzen angewiesen. Da jedoch vor allem Mittelständler keine internen Beratungsabteilungen haben, sich McKinsey & Co. aber nicht leisten können, profitieren eher die kleineren Consulting-Firmen von den strikteren Kreditvergaberegelungen der Banken.

Beste Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben Absolventen der Wirtschaftswissenschaften mit HR-Schwerpunkt. Die Personalberatungsbranche war bereits im Mai 2008 bester Laune: Sie konnte das fünfte Rekordjahr in Folge feiern. Kein Wunder - die Unternehmen suchen natürlich weiterhin (einige) top ausgebildete Spezialisten und verlassen sich bei dieser Suche nach den raren Nachwuchstalenten auf Personalberater. Allerdings ähneln die Erwartungen hier denen bezüglich der Wirtschaftsberatungen. Am meisten profitieren voraussichtlich die Beratungen mittlerer Größe, die den Mittelstand bedienen.

Fazit

Wer beratend tätig werden will nach seinem Abschluss - sei es in Sachen Personal, Finanzen oder Unternehmensführung - sollte sich nicht zu sehr auf die ganz großen Namen konzentrieren. Sie könnten unter anderem aufgrund ihres US-Geschäfts am stärksten von der Finanzkrise betroffen werden. Die Unternehmen, die den Mittelstand beraten, haben dagegen gute Aussichten, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. Allerdings kann das dicke Ende auch hier noch kommen: Der Mittelstand hinkt gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen nämlich meist um einige Monate hinterher.

Konsumgüter

Ob L'Oréal, Adidas oder Procter & Gamble - die Konsumgüterhersteller sind bei Wirtschaftswissenschaftlern beliebte Arbeitgeber. Daran dürfte die Finanzkrise wenig ändern, schließlich sieht es bislang so aus, als wären die Markenhersteller weniger als andere Branchen von der Krise betroffen. Allerdings variieren die Prognosen stark: Procter & Gamble oder Unilever werden beispielsweise deutliche Einbußen vorausgesagt. Einige Unternehmen wie Trumpf oder Puma planen trotz des weltweiten Wirtschaftschaos' zusätzliche Einstellungen in diesem und dem kommenden Jahr. Und auch die Lebensmitteldiscounter werden voraussichtlich zusätzliches Personal benötigen - schließlich führen Wirtschaftskrise, 19 Prozent Mehrwertsteuer und die allgemeine Unsicherheit dazu, dass die Bevölkerung ihr Portemonnaie nur noch ungern öffnet. Die gerade sinkende Inflation macht sich jedoch bereits heute in größerer Kauflust bemerkbar und könnte auch die optimistische Haltung der teureren Konkurrenz rechtfertigen.

Banken

Hier fing alles an - aber obwohl die Banken dank Kreditmarktkrise die ersten Opfer waren, wurden sie nicht am härtesten getroffen. Derzeit ist schwer abzuschätzen, wie stark beispielsweise die Landesbanken von der Unterstützung durch den Bund profitieren werden. Die Branchenriesen wie die Deutsche Bank aber sind optimistisch und haben dem entsprechend ihre Einstellungspläne auch nicht geändert. Das liegt vor allem daran, dass sie sich auf das relativ stabile Privatkundengeschäft konzentrieren und teilweise das Filialnetz noch ausbauen.

Kundenberater sind also gesucht; in der Verwaltung dagegen fallen seit Jahren Stellen weg. Einer der größten Verlierer der Finanzkrise ist, wen wundert's, das Investmentbanking. Noch vor einem Jahr wurden Absolventen steile Karrieren und horrende Gehälter versprochen, jetzt bauen alle Banken das Investmentbanking-Geschäft rapide ab und freuen sich, dass sie weniger darin involviert waren als die amerikanischen Kollegen.

Fazit

Die Bank-Jobs mit dem Image "Senkrechtstarterposition" bieten sich Absolventen also derzeit nicht mehr an. Die stabileren, wenn auch weniger ertragreichen dagegen sind auch in Zeiten der Wirtschaftskrise aus heutiger Sicht nicht die schlechteste Wahl.

Versicherungen

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist optimistisch: Die Versicherungen werden nicht zu den Opfern der Finanzkrise zählen. Das klingt gut für Wirtschaftswissenschaftler, die ihre Zukunft im Insurance-Sektor sehen. Allerdings bedeutet das im Falle der großen Versicherer nur, dass nicht mehr Stellen abgebaut werden als ohnehin seit Jahren geplant. Generell ist die Branche auf Rationalisierung ausgerichtet, vor allem, ähnlich den Banken, in der Verwaltung. Neue Gesetze und diverse Skandale hinsichtlich der Vertriebsmethoden machen ihr zu schaffen. Nichtsdestotrotz suchen Allianz, Münchner Rück & Co. weiterhin - wenn auch in begrenztem Umfang - talentierten Nachwuchs.

studilux/ks

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