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19.04.2010
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Auslandspraktika - Arbeitserfahrungen in der Ferne

Dubai? Guatemala? Oder doch "nur" Frankreich? Wer im Ausland ein Praktikum absolvieren möchte, dem steht die ganze Welt offen. Denn während bei einem Auslandssemester Landessprache, Studiengang und Uni-Standorte die Wahlmöglichkeiten noch ein wenig eingrenzen, gilt beim Praktikum im Ausland nur: Wo ein Unternehmen ist, ist auch ein Praktikum. Das bedeutet aber noch nicht, dass jedes Auslandspraktikum sinnvoll ist - oder organisierbar.

Was ist ein Auslandspraktikum?

Ein Praktikum, das ist eine vorübergehende Beschäftigung von Schülern oder Studierenden, bei der zuvor erworbene theoretische Erkenntnisse praktisch vertieft werden. In Deutschland sollten Praktika "angemessen" vergütet werden und dem Praktikanten wirklich einen Wissens-Mehrwert bieten. Es gibt einen Vertrag dazu und ein Zeugnis danach (siehe dazu auch Praktikum & Recht). So weit die Theorie. Und so weit Deutschland.

In nur wenigen Ländern gibt es Programme, die dem deutschen Praktikum eins zu eins entsprechen. So ist beispielsweise in den USA ein "Internship" beinahe ausschließlich auf Studenten im zweiten oder dritten Jahr angelegt; außerdem gibt es Forschungspraktika. In Spanien dagegen sind Praktika während des Studiums unüblich, sie werden erst im Anschluss absolviert. In Italien finden sie häufig an der Uni selbst statt - so viel zum Thema "Erfahrungen im Unternehmen". Ob und wie viel bezahlt wird, ob es ein Zeugnis gibt oder nicht: All das variiert von Land zu Land.

Und nicht zuletzt gibt es auch verschiedene als "Praktikum" deklarierte Freiwilligendienste, die von deutschen Anbietern in Zusammenarbeit mit ausländischen Organisationen veranstaltet werden. Da diese zwar soziales Engagement beweisen, aber üblicherweise keinen Job-Bezug haben, sollen sie hier nicht näher erläutert werden.

Was bringt ein Auslandspraktikum?

Bevor man sich also für ein Auslandspraktikum entscheidet, sollte man sich klar machen, dass "Stage", "Internship" oder "las prácticas" nicht zwangsläufig dasselbe sind wie das deutsche Unternehmenspraktikum. Das bedeutet aber nicht, dass sie nichts bringen:

  • Die Kenntnisse in der Landessprache werden vertieft und um Wirtschaftsbegriffe erweitert. In vielen Staaten ist in international tätigen Unternehmen Englisch die Unternehmenssprache, sodass sogar zwei Fremdsprachen gleichzeitig verbessert werden können.
  • Je nach Unternehmen, Sprachkenntnissen und Stand der eigenen Ausbildung werden relevante Joberfahrungen gewonnen. Und wenn diese nur lauten: So könnte man in Deutschland kein Unternehmen führen…
  • Die interkulturelle Kompetenz, eines der zentralen und begehrten Soft Skills, wächst automatisch, wenn man in einem fremden Land lebt und arbeitet.
  • Es lassen sich Kontakte knüpfen, die im späteren Job hilfreich sind.
  • Auslandserfahrungen, sei es durch ein Semester oder ein Praktikum, werden heute in beinahe allen Branchen vom Bewerber erwartet - auch, wenn der frisch von der Uni kommt. Und zwar auch, weil
  • Auslandspraktika beweisen, dass eine Person selbstständig, flexibel und weltoffen ist.

Diese Liste zeigt, dass ein Auslandspraktikum dann besonders viel bringt, wenn man bereits im Studium ein wenig Wissen gesammelt hat und weiß, in welcher Richtung man sich beruflich orientieren möchte. Zu einem früheren Zeitpunkt treten vor allem die sprachlichen Aspekte in den Vordergrund; die Suche nach dem Traumberuf lässt sich in Deutschland nämlich meist leichter und effektiver bewerkstelligen.

Auslandspraktika finanzieren - BaföG

Praktika werden in Deutschland schon nicht königlich entlohnt, im Ausland arbeitet man teilweise grundsätzlich umsonst. Dennoch müssen Essen und Unterkunft, die Reise, Visa, Impfungen und vieles andere finanziert werden. Nur wie?

Wer studiert und BAföG bezieht, denkt vermutlich zuerst an das Auslands-BAföG. Und könnte Glück haben: Praktika im außereuropäischen Ausland werden tatsächlich gefördert, sofern sie mindestens zwölf Wochen dauern und die nötigen Sprachkenntnisse vorhanden sind. Außerdem muss entweder die Studienordnung Praxiserfahrungen außerhalb Europas vorschreiben oder es existiert keine Möglichkeit zu einem gleichwertigen Praktikum innerhalb der EU oder das Praktikum wir im Rahmen eines Studiums im selben Staat durchgeführt.

Innerhalb Europas fallen die letztgenannten Voraussetzungen weg, dann geht es nämlich um das normale, nicht das Auslands-BAföG. Allerdings muss auch hier das Praktikum relevant und anrechenbar für das Studium sein. Vorpraktika (vor dem Studienstart) werden nicht unterstützt. Und natürlich muss der Antragsteller grundsätzlich BAföG-berechtigt sein. Selbst dann aber wird maximal ein Auslandspraktikum gefördert, das in der Regel sechs, zuweilen zwölf Monate dauern darf.

Weiterführende Links:

Auslandspraktika finanzieren - DAAD

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) hat zwei Stipendienprogramme, die Auslandspraktika im europäischen Ausland unterstützen.

Über das Programm ERASMUS werden Pflicht- und freiwillige Praktika von drei bis zwölf Monaten Dauer gefördert. Der Praktikant erhält bis zu 400 Euro pro Monat sowie einen Reisekostenzuschuss und Hilfe bei der Organisation des Auslandsaufenthalts. Das Praktikum selbst muss im Diploma Supplement verzeichnet werden - damit ist klar, dass nur studienbezogene Praktika eine ERASMUS-Förderung erhalten können. Pflichtpraktika sollten zudem Credit Points erbringen. Der Studierende muss in jedem Fall eine Praktikumsdokumentation vorlegen.

Das zweite Programm des DAAD zur finanziellen Förderung von Auslandspraktika heißt LEONARDO (II). Viele Voraussetzungen für die Teilnahme an diesem Stipendienprogramm ähneln denen für ERASMUS, allerdings umfasst die Zielgruppe neben Studierenden auch AbsolventInnen und ArbeitnehmerInnen. Sie alle erhalten zwischen 50 und 500 Euro pro Monat - je nach Praktikumslohn -, einen Reisekostenzuschuss sowie Organisations- und Planungshilfe. Auch die "sprachliche und interkulturelle Vorbereitung" wird gefördert. Ziel ist die berufliche Aus- und Weiterbildung der Teilnehmer, unabhängig vom Studium.

Sowohl ERASMUS als auch LEONARDO werden durch einen Projektträger koordiniert, zum Beispiel Deine Hochschule. Eine direkte Bewerbung beim DAAD ist nicht möglich. Alle Anträge laufen über das Akademische Auslandsamt der Uni, an der Du immatrikuliert bist.

Weitere Informationen findest Du auf der Website des DAAD.

Formalitäten - Visum, Arbeitserlaubnis und Versicherungen

Warum nicht statt eines Stipendiums einfach ein Teilzeitpraktikum machen und den Rest der Zeit jobben? Ganz einfach: Weil das in vielen Ländern nicht erlaubt ist. Ein Visum, wie es für Staaten außerhalb der EU meist nötig ist, stellt eine Aufenthalts-, keine Arbeitserlaubnis dar. Letztere müsste separat beantragt werden, wird seltener bewilligt und würde auch zur Folge haben, dass man im jeweiligen Land steuerpflichtig wird. Viel Bürokratie also für wenig Nutzen.

Viele Visa umfassen nur den üblichen Urlaubszeitraum, meist vier Wochen. Wer einen längeren Aufenthalt plant, muss frühzeitig eine entsprechende Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Bis die ausgestellt ist, kann es schon mal ein paar Monate dauern. Hilfe findest Du beim Akademischen Auslandsamt Deiner Hochschule, das sich mit solchen Formalitäten auskennt.

Neben dem Visum solltest Du Dich schon früh über folgende Punkte informieren:

  • Gilt Deine Krankenversicherung für den entsprechenden Zeitraum im Ausland? Musst Du eventuell eine Reise- oder Zusatzversicherung abschließen?
  • Gelten auch Deine anderen Versicherungen wie Haftpflicht- oder Unfallversicherung?
  • Benötigst Du Atteste über Deinen Gesundheitszustand oder Impfungen? Die Grundimmunisierung bei neuen Impfungen dauert bis zu zwei Monate.
  • Sofern Du ohnehin Pflichtpraktika für Dein Studium absolvieren musst - wird die Anerkennung reibungslos klappen? Lass Dir das am besten schriftlich bestätigen.

Nicht umsonst gebuckelt: Nachweis per EUROPASS

Überhaupt: Interkulturelle Kompetenz hin, Fremdsprachenkenntnisse her - Du willst später ja auch in Deinem Lebenslauf mit den Erfahrungen aus dem Ausland glänzen können. Praktikumszeugnisse sind nicht überall üblich, und ganz nebenbei: Was bringt Dir ein Zeugnis auf Rumänisch? Um Praktikumserfahrungen und -leistungen europaweit einheitlich und verständlich dokumentieren zu können, wurde der EUROPASS entwickelt. Er besteht aus mehreren so genannten "Transparenzdokumenten", darunter einem Lebenslauf für die Bewerbungen innerhalb der EU und einem Sprachenpass. Der "EUROPASS Mobilität" ist ein Dokument, dass der Praktikumsgeber ausfüllt und so Deine Arbeit bestätigt. Übrigens: Diese Dokumentation ist auch nachträglich möglich - und zwar für alle Auslandspraktika seit 2005.

Weitere Infos findest Du unter www.europass-info.de

Alternative: Mit deutschen Unternehmen ins Ausland

Europass, Erasmus, Arbeitserlaubnis - das ist alles ziemlich kompliziert. Eine Alternative zu diesem Organisationsaufwand wäre ein Praktikum bei einem deutschen Unternehmen mit einer Auslandsfiliale oder Tochtergesellschaft. Große Unternehmen haben meist schon Erfahrungen mit der Entsendung von Praktikanten in die jeweiligen Länder gesammelt und stellen ein komplettes Infopaket bereit, das vieles vereinfacht. Auch das Zeugnis wird anschließend nach deutschen Standards verfasst. Einziger "Haken" an der Sache: Die meisten Unternehmen schicken Dich erst in die Ferne, wenn Du in Deutschland einen guten Eindruck gemacht hast. Also musst Du erst einmal in Mannheim oder Magdeburg Dein Können zeigen, bevor Du nach Madrid darfst.

Anlaufstellen

Viele weitere Informationen findest Du beim Akademischen Auslandsamt Deiner Hochschule. Auch auf der Website des DAAD erfährst Du viel Nützliches. Der DAAD hat auch eine Community eingerichtet, in der Auslandsstudierende und -praktikanten ihre Erfahrungen mitteilen.

Die Bundesagentur für Arbeit stellt eine Liste ausgewählter Anbieter für Auslandspraktika auf ihrer Website vor. Allerdings sind dies kommerzielle Praktikumsvermittler - da wird der Arbeitsaufenthalt in der Ferne oft sehr schnell sehr teuer! Informiere Dich also genau über die anfallenden Kosten.

Wenn Du bereits eine bestimmte Branche im Blick hast, dann schau auf den Webseiten internationaler Firmen nach Angeboten. Und bleib flexibel. Vielleicht wäre dir Spanien lieber als Bulgarien - aber wer weiß, ob du nicht gerade in Sofia unvergessliche und einzigartige Erfahrungen machst?

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