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Mobbing in der Schule - Mobbing unter Schülern
Von Kay Szantyr
Eine Prügelei auf dem Pausenhof, ein paar Beleidigungen auf dem Flur: Ist das schon Mobbing? Unter Eltern und Lehrern herrscht Unsicherheit, seit Mobbing in aller Munde ist. Während die einen jede Aggression als Mobben definieren, sehen andere auch anhaltende Probleme als "typisch für Heranwachsende". Dabei kann die dauernde psychische Belastung der Opfer nicht nur die Noten in der Schule verschlechtern, sondern sogar körperliche Folgen haben.
Was ist Mobbing?
Selbst die Wissenschaft ist sich nicht einig, wie Mobbing exakt zu fassen ist. Folgende Punkte sind aber in fast allen Definitionen zu finden:
- Mobbing ist ein aggressives Verhalten, das mit offener oder subtiler (psychologischer) Gewalt verbunden ist,
- die sich klar gegen eine bestimmte Person richtet,
- über einen längeren Zeitraum (meist drei bis sechs Monate) wiederholt ausgeübt wird und die
- die soziale Ausgrenzung des Gemobbten zum Ziel hat.
- Manche Definitionen beziehen sich außerdem darauf, dass die Aktionen durch eine Gruppe ausgeführt werden und geplant ablaufen.
Die Prügelei im Klassenzimmer ist also noch kein Mobbing-Akt; erst, wenn ein Schüler über mehrere Wochen hinweg immer wieder das Opfer von Angriffen ist, kann von Mobbing (oder bei physischer Gewalt Bullying) gesprochen werden. Doch nicht immer muss die Gewalt so offensichtlich sein. Varianten desselben Themas sind andauernde Hänseleien, Beschimpfungen, Telefonterror oder auch die Beschädigung von Eigentum. Und dann gibt es noch das so genannte Cyber-Mobbing - "Mobbing 2.0": Rufschädigende Fotos oder Videos, oft mit dem Handy aufgenommen, werden in das Internet gestellt.
Das Opfer schweigt oft
Ein Jugendlicher wird zu keiner Party eingeladen und hat kaum Freunde in der Klasse? Zu erkennen, ob wirklich Mobbing vorliegt, ist nicht einfach. Häufig sprechen die Opfer nicht über ihre Probleme, weil sie an die eigene Schuld glauben. Oft werden auch gerade jene gemobbt, die eher unauffällig sind und sich anzupassen versuchen. Sie wollen keinen Ärger bekommen oder verursachen und schweigen daher über ihre Probleme, anstatt Hilfe zu suchen.
Hier ist es an den Eltern und Lehrern, nachzuforschen. Folgende Anzeichen können darauf hinweisen, dass ein Schüler gemobbt wird:
- Er oder sie spricht plötzlich nicht mehr über seine Freunde und Klassenkameraden und trifft sich nicht mehr mit ihnen (zunehmende Isolation); der Schüler kommt eventuell regelmäßig zu spät, um ein Zusammentreffen vor Unterrichtsbeginn zu vermeiden.
- Depressives Verhalten, erhöhte Nervosität und Ängstlichkeit oder
- aggressives Verhalten und eine erhöhte Reizbarkeit treten auf oder
- ein deutlicher Leistungsabfall,
- Schlafstörungen,
- charakterliche Veränderungen,
- häufige Kopf- oder Magenschmerzen, Übelkeit oder Appetitlosigkeit.
- Geld und teurerer Besitz wie MP3-Player verschwinden spurlos.
- Teilweise kann der psychische Druck zu Depressionen oder starkem Alkohol- oder Zigarettenkonsum führen. Im Extremfall kommt es sogar zu Selbstmordversuchen.
Entscheidend ist aber vor allem die individuelle Stabilität des Opfers. Nicht jeder hat mit einer Außenseiterrolle wirklich Probleme. Andere wiederum reagieren bereits auf wenige beleidigende Worte sehr sensibel. Im Einzelfall ein Eingreifen daher auch von der Belastung für das Opfer abhängen und nicht von wissenschaftlichen Diskussionen.
Mobbing-Opfer brauchen Ansprechpartner
Die Noten rutschen in den Keller, nachts träumt man schlecht, morgens wecken einen die Bauchschmerzen - wenn es einmal so weit ist, dann ist es für das Opfer meist schon nicht mehr möglich, aus dem Mobbing-Kreislauf zu entkommen. Der wichtigste Punkt ist, über das, was passiert, zu reden. Selbsthilfegruppen raten auch zu einem "Mobbing-Tagebuch", in dem über einige Wochen jeder Angriff notiert wird. So kann der Betroffene nachweisen, wie lange und in welcher Form er gemobbt wurde.
Wie aber kann gegen das Mobbing vorgegangen werden? Da die Opfer oft eher zurückhaltende und angepasste Schüler sind, tendieren sie dazu, sich weiter zurückzuziehen und irgendwann schließlich die Schule zu wechseln. Nicht selten geht dort der Terror aber weiter, da der Betroffene nun von Anfang an ängstlich auftritt.
Was kann der Lehrer tun?
Meist kann nur die Einmischung eines Dritten - oft des Lehrers - die Gruppenprozesse, die zum Mobbing führen, beenden. Schalten sich die Eltern ein, schadet dies oft mehr als es nützt. Zum einen können die Eltern des Opfers das Verhalten des Täters nicht selbst sanktionieren und auch meist nicht richtig einordnen; zum anderen stoßen sie bei den Eltern des Mobbers oft auf taube Ohren. Der Lehrer oder ein Schulpsychologe kann hier vermittelnd eingreifen und (ohne die Eltern) mit den Schülern sprechen.
Der Lehrer sollte die Klasse regelmäßig darauf hinweisen, dass derartige Probleme ernst genommen werden und er als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Er ist auch am besten in der Lage, die Ursachen des Problems zu beurteilen. Aggression entsteht oft durch Unter- oder Überförderung - vielleicht versucht der Mobber, seine schlechten Leistungen und die daraus resultierenden Minderwertigkeitskomplexe zu kompensieren.
Was können Eltern bei Mobbing tun?
Die Eltern sollten ihrem Kind vor allem als Ansprechpartner dienen. Das Angebot zum Gespräch und die entsprechende Offenheit darf nicht unterschätzt werden - Studien zufolge bemerkt rund die Hälfte der Eltern nichts von Mobbing-Attacken gegen das eigene Kind. Dabei ist der Rückhalt aus dem Elternhaus in dieser Situation für den Jugendlichen extrem wichtig. Wer die Schuld beim Opfer sucht oder den Berichten keinen Glauben schenkt, schwächt dessen Selbstbewusstsein weiter und macht es damit zur noch beliebteren Zielscheibe.
Die Förderung der individuellen Talente dagegen gibt dem Betroffenen das Gefühl, trotz allem wertvoll zu sein. Wenn der Schüler einen Schulwechsel wünscht, sollten die Eltern diesen organisatorisch unterstützen. Oft hilft es Gemobbten auch, sich in einem entsprechenden Forum wie der Schülerinitiative "Schüler gegen Mobbing" mit anderen Opfern auszutauschen.
Bei Verdacht auf Mobbing, aber anhaltendem Schweigen des Schülers können die Eltern den Kontakt zu anderen Eltern suchen. Eventuell haben sie etwas über Spannungen in der Klasse erfahren. Selbst dann aber gilt: Druck macht alles noch schlimmer. Wenn das eigene Kind absolut nicht mit den Eltern über das Thema sprechen möchte, sollte das klärende Gespräch den Freunden, Geschwistern oder dem Lehrer überlassen werden.
…und an der Uni geht es weiter?
Leider ist Mobbing nichts, was sich "auswächst". Auch unter Studenten kommt es immer wieder zu derartigen Handlungen. "Bei uns werden in Skripten absichtlich falsche Informationen eingebaut, damit andere in Prüfungen schlechter abschneiden", schreibt ein Jura-Student anonym in einem Forum. Andere angehende Akademiker berichten von herausgerissenen Seiten in Fachbüchern oder lückenhaften E-Mail-Verteilern. Die Zahlen sinken aber offenbar, glaubt man verschiedenen Umfragen, die allerdings nicht repräsentativ sind. Vielleicht werden die Gemobbten selbstständiger und lassen sich weniger beeinflussen. Vielleicht sind die Stundenpläne so voll, dass keine Zeit mehr bleibt für perfide Spielchen. Dafür spräche, dass die Zahl der Mobbingfälle wieder steigt, sobald der Uni-Stress vorbei ist und das Berufsleben beginnt. Immerhin gibt es "sichere" Berufe: Das geringste Mobbing-Risiko besteht für Landwirte.
Weitere Links
www.mobbingberatung.info - Informationen für Schüler, Eltern und Lehrer von Tätern und Opfern.
Unter Schulpsychologie.at steht ein Informationsblatt mit Tipps für Eltern und Lehrer zum Download zur Verfügung.
studilux/ks
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Vielen Dank für den tollen Artikel. Er hat mir glaube ich einiges klar gemacht! Nun muss ich mal schauen, ob ich mit diesen neuen Erkenntnissen etwas anfangen kann. Ein weiterer Artikel zum Thema (nicht ganz so ausführlich ): www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Schule/s_360.html
Viel Erfolg allen die mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben!