Studium ja - nur wo? Grundsatzentscheidungen
von Kay Szantyr
Nach dem Abitur an die Uni - diese Entscheidung steht bereits fest. Auch die Frage nach Bauingenieurwesen, Kommunikationswissenschaften oder Jura ist bereits beantwortet. Nur: Welche Uni ist die beste? Oder macht das Studium an einer Fachhochschule doch mehr Spaß? Die wichtigsten Kriterien für die Wahl der richtigen Hochschule findest Du auf dieser und der folgenden Seite.
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Universität oder Fachhochschule?
Im alltäglichen Sprachgebrauch heißt jede Hochschule "Uni". Eigentlich muss man eine Universität jedoch von einer Fachhochschule (FH) unterscheiden, die ebenfalls eine universitäre Ausbildung anbietet. Die beiden Institutionen besitzen eine unterschiedliche Ausrichtung bezüglich der Lehre - und sind daher für unterschiedliche Studententypen und Studienziele geeignet. An erster Stelle nach der Auswahl des Studiengangs steht also die Frage ob Uni oder FH. Ausnahmen bilden nur Studiengänge wie Jura, die ausschließlich an der Universität gelehrt werden.
Durch die Einführung eines einheitlichen Abschlusses (Bachelor) an beiden Hochschulformen und durch die Umstrukturierung der Universitätsprogramme nähern sich Uni- und FH-Studium zwar einander an. Dennoch bestehen eingie grundlegenden Unterschiede:
An der Universität wird der Schwerpunkt auf Theorie und Forschung gelegt. Das bedeutete früher, dass ein Uni-Absolvent teilweise ohne Praxiserfahrung bis zum Diplom gelangte. Die Umstellung auf den Bachelor-Abschluss zielte jedoch auf eine praxisnähere Universitätsausbildung, sodass sich das Uni-Studium diesbezüglich ein wenig dem FH-Studium annäherte. Zu den meisten Studiengängen gehören daher Pflichtpraktika. Dennoch ist der Anspruch der Uni weiterhin, Nachwuchs für Forschung und Entwicklung, aber auch für die Führungspositionen auszubilden.
FH-Absolventen sollen dagegen direkt nach dem Abschluss praktisch einsetzbar sein. Natürlich können auch sie in die Führungsetage gelangen - in vielen Geschäftsfeldern ist der Aufstieg jedoch noch immer begrenzt. Das ist keineswegs immer fachlich begründet; oft halten sich hier nur alte Vorurteile gegenüber den analytischen und methodischen Fähigkeiten der FH-Absolventen. An der Universität wird nämlich immer noch häufiger theoretisch gearbeitet, an der FH in Projekten. Daher können FH-Absolventen auch viel direkter in den Job starten, während sich Uni-Studenten erst einmal in die jeweilige Berufspraxis und das spezielle Thema einarbeiten müssen. Im Studium haben sie jedoch einen großen Methodenkoffer gepackt, der ihnen dabei hilft.
Früher bestand zudem ein Unterschied zwischen dem Aufbau der Curricula. Während die FH als "verschulter" galt, also einen strikten Stundenplan vorgab, konnte man an der Uni freier die Zeiteinteilung, die Fächer und das Studientempo wählen. Auch dieser Unterschied ist durch die Einführung des Bachelor und damit eines relativ strikten Stundenplan-Korsetts weggefallen.
Und noch ein weiterer Unterschied wird derzeit abgeschliffen: Bislang hatten allein Universitätsabsolventen das Recht zu promovieren. Inzwischen wurden bereits einige FHler zur Promotion zugelassen. Künftig wird wohl wichtiger sein, dass man einen Master besitzt, als der Hochschultyp auf dem Master-Zeugnis. Aber auch hier gibt es Alternativen: In einigen Fällen kann man sogar mit einem Bachelor-Zeugnis promovieren.
Privat oder staatlich?
Eine weitere grundlegende Frage lautet: Will ich an einer staatlichen oder an einer privaten Hochschule studieren? Diese Entscheidung hängt nur vordergründig mit den finanziellen Möglichkeiten zusammen. Zwar haben private Hochschulen tatsächlich oft höhere Studiengebühren. Oft bieten sie aber auch durch Unternehmen finanzierte Stipendienprogramme, besonders günstige Kredite in Kooperation mit regional ansässigen Banken sowie andere Finanzierungshilfen. Damit ist die Finanzierung der Semestergebühren von mehreren Tausend Euro oft nicht viel schwieriger als die von 500 Euro für eine staatliche Uni.
Für diese hohen Gebühren erhält man oft eine modernere Ausstattung und einen besseren Service als an den staatlichen Hochschulen. Die Privat-Unis sehen sich als Dienstleister, die Studenten als geschätzte Kunden. Aufgrund des durchgeplanten Curriculums und der umfangreichen Unterstützung kann das Studium an diesen Hochschulen daher oft schneller abgeschlossen werden. Daneben sind sie aber auch - vor allem, wenn sie in der Forschung eine Rolle spielen wollen - auf das Geld der Studenten angewiesen. Private Hochschulen erhalten nämlich nur selten Forschungsgelder vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Auch im Wettbewerb um Sponsoren aus der Wirtschaft treten die staatlichen Unis zunehmend als ernstzunehmende Konkurrenz an - auch, weil sie inzwischen ebenfalls innovative Lehrkonzepte, Nischen-Studiengänge und eine früher seltene internationale Ausrichtung anbieten. So konnten sich einige Staatliche sogar zu "Elite-Unis" entwickeln. Und selbst die Kooperation mit ausländischen Hochschulen und damit einhergehend beispielsweise Doppeldiplom-Programme sind kein Monopol privater Unis mehr.
Oft werden Privathochschulen mit Elite-Schmieden gleichgesetzt und der Abschluss dort mit einem Garantiezertifikat für eine steile Karriere. Tatsächlich haben einige private einen ausgezeichneten Ruf bezüglich der Lehre. Auf der anderen Seite werden sie aber auch oft - Stichwort Forschungsgelder - als reine Lehranstalten ohne akademischen Forschungsanspruch gesehen.
Letztendlich spielen also so viele Faktoren in die Entscheidung zwischen privat und staatlich hinein, dass es kein "besser" oder "schlechter" gibt. Und viel hängt schlicht von den persönlichen Präferenzen ab.
Massenuni oder Minihochschule?
Wer sich für eine private Hochschule entscheidet, für den entfällt die Frage nach der Größe des Instituts. Private Unis sind meist übersichtlich; teilweise gibt es pro Studiengang nur 30 oder 40 Studierende. Bei den staatlichen sind solche Nischenfächer üblicherweise nicht finanzierbar. Die Größe der einzelnen Jahrgänge kann dennoch erheblich variieren - zwischen 30 und über 300 Studienanfängern pro Semester ist alles möglich. Die Berliner Humboldt-Universität hat zum Beispiel insgesamt rund 40000 Studenten, die Hochschule Neu-Ulm nur knapp 2000.
Massenuniversitäten sind meist in den großen Städten beheimatet und prägen das Stadtgeschehen oft seit Jahrhunderten. Damit werden sie auch zum Anziehungspunkt für diejenigen, die das Leben neben der Uni gerne vielfältig gestalten, leicht an Studentenjobs kommen oder viele neue Leute kennen lernen möchten. Große Universitäten bieten den Studenten zudem oft zahlreiche kostenlose Zusatzkurse, von Wirtschaftsjapanisch bis "Rechnungswesen im Gartenbau". Das ist interessant für Studenten, die sich auch außerhalb ihres Fachs weiterbilden möchten.
Auf der anderen Seite läuft das Studium an einer solchen Massenuni oft sehr anonym ab. Ein persönlicher Kontakt zu den Dozenten lässt sich nur schwer herstellen, wenn bei jeder Sprechstunden mehrere Hundert Studierende vor dem Büro warten. Der bürokratische Apparat ist riesig; Ausnahmen von den üblichen Regelungen werden selten gewährt - dafür fehlen einfach Zeit und Kapazitäten.
An kleineren Hochschulen lernt man schnell alle Kommilitonen kennen und hat oft auch zu den Dozenten ein beinahe freundschaftliches Verhältnis. Die Warteschlangen in der Studentenkanzlei sind kürzer. Dafür gibt es weniger Angebote außerhalb des eigentlichen Curriculums, und oft hat auch die Stadt für Studenten weniger zu bieten. Was wiederum den Vorteil hat, dass das Studium nicht zugunsten des "After-Uni-Lebens" vernachlässigt wird.
...und viele weitere Fragen
Neben den grundlegenden Fragen nach der Art der Hochschule, der Trägerschaft und der Größe gibt es eine Reihe anderer Entscheidungen, die ein Student in spe bei der Suche nach seiner Traumhochschule treffen muss. Diese Fragen und eine Checkliste für die Hochschulwahl findest Du im 2. Teil.
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Folgende Bundesländer haben die Termine für das Abitur 2010 bereits festgelegt:
Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen.
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