Studium ja - nur wo? Rankings, Renommees und Ausstattung
von Kay Szantyr
Leidenschaft. Das ist das wichtigste. Zumindest denken das die Abiturienten, die im Rahmen einer CHE-Studie zum Thema Hochschulwahl befragt wurden. Die Leidenschaft für ein bestimmtes Studienfach und ein dazu passendes Angebot sind entscheidend dafür, in welcher Stadt und an welcher Hochschule studiert wird.
Es folgen Faktoren, die die Qualität des Studiums beeinflussen, wie die Ausstattung oder der Service für Erstsemester. Auch dass die Höhe der Studiengebühren und die generelle Stimmung am Campus eine Rolle spiele, ist kaum überraschend. Und weil man nun endlich erwachsen ist, interessiert es nur knapp ein Fünftel, ob ihnen der Hochschulort vertraut ist. Kennenlernen werden sie ihn ja in den nächsten Semestern zur Genüge.
Aber sind diese Entscheidungsgründe wirklich klug gewählt? Oder solltest Du doch lieber andere Kriterien für die Wahl Deiner Hochschule heranziehen?
Das Studienangebot - damit steht und fällt alles
BWL, Jura oder Germanistik kann man an fast jeder größeren Uni lernen. Angehende Studenten, die sich für einen etwas spezielleren Schwerpunkt interessieren, müssen unter Umständen länger suchen - nicht jeden Studiengang gibt es an jeder Hochschule. Oft besteht aber die Möglichkeit, sich durch die geschickte Kombination von Wahlfächern sein Wunschstudium auch dort zusammenzustellen, wo es nicht direkt angeboten wird.
Beispiel Internationales Management: Diese Kombination aus BWL und Wirtschaftssprachen gibt es vor allem an privaten Hochschulen. Wer in seiner Heimatstadt bleiben und an einer staatlichen Uni studieren will, kann BWL wählen und die üblicherweise angebotenen Kurse in Wirtschaftsenglisch, -französisch oder -spanisch dazu belegen. Zwei Nachteile entstehen daraus allerdings: Zum einen kann es zu Überschneidungen im Stundenplan kommen und die Wochenstundenzahl wird eventuell deutlich erhöht. Zum anderen steht auf dem Bachelor-Zeugnis am Ende eben nicht "Internationales Management". Das lässt sich durch präzise Beschreibung des Studiums im Lebenslauf aber üblicherweise ausgleichen.
Das Renommee - ein guter Name ist nicht alles
Harvard, Stanford, Princeton - an den Ruf dieser Eliteuniversitäten kommen selbst die teuren Kaderschmieden in Deutschland nicht heran. Dennoch haben die Namen einiger privater Hochschulen wie die European Business School (EBS), die ESB Reutlingen und die WHU in Vallendar unzweifelhaft einen besonderen Klang. Aber auch staatliche Unis und FHs machen sich - je nach Studienfach - gut im Lebenslauf: zum Beispiel die RWTH Aachen bei Maschinenbauern oder Karlsruhe (TH) bei Informatikern.
In der CHE-Befragung gaben 60 Prozent der befragten Studenten an, dass der Ruf eine wichtige oder sehr wichtige Rolle bei ihrer Hochschulwahl spielte. Unter anderem aus diesem Grund boomen Uni-Rankings seit Jahren. Häufig basiert das Gesamturteil über eine Hochschule auch darauf, was das wissenschaftliche Umfeld sowie Personalmanager sagen. Wer auf diese Rankings setzt - und das tut immerhin ein Drittel der Studenten - hofft, dank des guten Rufs einer Uni einen leichteren Start ins Berufsleben zu erreichen. Ein guter Name auf dem Abschlusszeugnis allein ist aber noch kein Karrieregarant. Insbesondere, wenn aufgrund des Anspruchs der Hochschule an die "Eliteförderung" tendenziell schlechtere Noten vergeben werden. Hier hilft die hervorragende Note einer weniger bekannten Uni unter Umständen mehr.
Die Ausstattung - traue keinem Hochglanzprospekt
Viel entscheidender als das Renommee einer Hochschule allgemein ist, was sie in dem jeweils gewählten Fachbereich bietet. Trotz eines besonders renommierten Maschinenbauprogramms kann es sein, dass die philologische Fakultät personell und finanziell unterversorgt ist. Deshalb sollte man sich von den Hochglanzprospekten oder -websites nicht täuschen lassen. Besser ist ein Besuch vor Ort, am besten in Verbindung mit Gesprächen mit derzeitigen Studenten. Die künftigen Kommilitonen werden üblicherweise recht frei berichten, wenn die Bibliothek nur zwei Reihen veralteter Literatur zum Thema Politische Theorie bereithält oder die hochgerühmten Professoren für Studenten nie ansprechbar sind.
Das Thema "Ansprechbarkeit der Professoren" ist ohnehin eines der wichtigsten. Einen ersten Anhaltspunkt zum Service für die Studenten bietet das Dozenten-Studenten-Verhältnis. Relationen von eins zu zehn sind ebenso möglich wie eins zu hundert. Hier gilt allerdings nachzufragen, wer zu den "Dozenten" gerechnet wird. Werden zum Beispiel wissenschaftliche Mitarbeiter mitgezählt, kann leicht ein "Dozent" auf fünf Studenten kommen. Den Studenten hilft das aber nur bedingt.
Zum zweiten bedeutet auch eine hohe Anzahl an Professoren nicht automatisch, dass diese für Fragen zur Verfügung stehen. Wenn eine Hochschule einen hervorragenden Ruf in der wissenschaftlichen Forschung hat, kann es sein, dass sich die Professoren auch mehr auf das Forschen als auf das Lehren konzentrieren. Auch hier gilt: Am besten vor Ort die aktuell betroffenen Studenten fragen.
Und was willst Du?
Die Ausstattung und die Betreuung können zum Erfolg eines Studiums entscheidend beitragen. Wenn an einer Fakultät jedoch eine schlechte Stimmung herrscht oder man sich in einer Stadt nicht wohlfühlt, hilft auch die hervorragende Bibliothek wenig. Auf Seite 3 erfährst Du, welche persönlichen Präferenzen bei der Hochschulwahl zu beachten sind.
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