Studium ja - nur wo? Die persönliche Wunschhochschule
Von Kay Szantyr
Fachliche Kriterien wie der Ruf der Forschung oder die Zahl der Professoren sind natürlich wichtig bei der Suche nach der richtigen Hochschule. Um drei oder mehr Jahre anstrengenden Studiums jedoch mit Begeisterung und Motivation durchzuhalten, genügen diese Fakten nicht. Dafür ist außerdem wichtig, dass man sich wohlfühlt.
Die Lage - ganz weit weg oder lieber in der Nähe?
Wenn eine interessante Hochschule in der nächsten Stadt liegt, ist es einfach: Dann kann man ihr mehrere Besuche abstatten, an einigen Vorlesungen teilnehmen und Studenten in der Mensa nach ihren Erfahrungen befragen. Wer sich für eine weiter entfernt liegende Uni bewerben will, der kann den Campus oft nur ein einziges Mal - wenn überhaupt - besuchen.
Wie weit die Wunsch-Hochschule entfernt ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Einer ist das Angebot an Studiengängen - vielleicht hat nur eine Uni in Hamburg das Fach mit dem Schwerpunkt und den Bewerbungsvoraussetzungen, die zu einem bestimmten Stuttgarter Abiturienten passen. Auch die Neugier des Studenten in spe auf eine unbekannte Stadt oder der Wunsch, bei seinem Freundeskreis zu bleiben, spielen in die Entscheidung hinein.
Kosten variieren von Stadt zu Stadt
Was oft zunächst nicht bedacht wird, leider aber eine große Rolle spielt, ist die Frage: Kann ich mir die Stadt, in der meine Wunsch-Uni liegt, auch leisten? Viele Studenten studieren notgedrungen in ihrer Heimatstadt, um bei den Eltern wohnen zu können. Wer BAföG erhält, bekommt ein bisschen mehr, wenn er eine eigene Wohnung finanzieren muss. Der BAföG-Satz bemisst sich aber rein nach der Bedürftigkeit, nicht nach dem Wohnort. Die Kosten für Miete, öffentliche Verkehrsmittel und sogar für den Kaffee in der Mittagspause differieren erheblich. Während man zum Beispiel in Rostock mit 600 Euro zurechtkommen kann, muss man für Studium und Leben in München mit mindestens 900 bis 1000 Euro pro Monat rechnen. Daher empfiehlt sich schon früh eine Aufstellung der geschätzten Lebenshaltungskosten unter Berücksichtigung des Wohnorts - und der dort üblichen Studiengebühren -, damit nicht zugleich mit der Studienplatzzusage die Erkenntnis kommt, dass man sich dieses Studium nicht leisten kann.
Ruf und Rankingplatz
Ruf und Rankingplatz sind gut, das gewünschte Studienfach wird angeboten und die Finanzierung der Studenten-WG ist gesichert. Jetzt wird es Zeit - sofern es irgendwie möglich ist - den Campus der Wahl einmal persönlich zu besuchen. Mit viel Zeit im Handgepäck. Schon beim Bummel durch die Gänge oder einem Kaffee in der Mensa bekommt man ein ganz gutes Gefühl für die Stimmung eines Ortes. Nicht jeder fühlt sich an einer hochleistungsorientierten Elite-Uni wohl, an der nur angehende Top-Anwälte oder -Manager studieren. Andere wiederum brauchen genau diese Umgebung, um zu Hochform aufzulaufen.
In der Schule teilte man das Klassenzimmer mit den unterschiedlichsten Menschen. Nun besteht endlich die Möglichkeit, sich die Umgebung auszusuchen, in der man sich wohlfühlt. Diese Chance solltest Du nutzen.
Checkliste/Fragen
1. Was genau willst Du studieren?
2. Welcher Hochschul-Typ liegt Dir (FH, Uni, Berufsakademie...)? Privat oder staatlich?
3. An welchen Hochschulen gibt es das gewünschte Fach? Erstelle eine Liste.
4. Gibt es Hochschulen, die Dich sehr interessieren, aber auf der Liste fehlen? Dann recherchiere: Vielleicht besteht die Möglichkeit, deinen Wunschstudiengang dort selbst zusammenzustellen. Wenn ja, ergänze die Liste.
5. Willst Du in eine Groß- oder Kleinstadt, an eine Massen- oder eine kleine Hochschule? Streiche die Hochschulen von der Liste, auf die Dein Wunsch nicht zutrifft.
6. Wie sieht es mit der Finanzierung aus - kannst Du Dir einige der Hochschulen nicht leisten aufgrund der Studiengebühren oder weil die jeweilige Stadt zu teuer ist? Streiche diese von der Liste.
7. Wie sind Ruf, Ausrichtung und Ausstattung des jeweiligen Studiengangs an den einzelnen verbliebenen Hochschulen? Informiere Dich im Internet, über Foren, Bekannte und bei den Informationsstellen, wie gut die Studenten betreut werden, welche Mittel für die Ausstattung zur Verfügung stehen, ob der Studiengang eher forschungs- oder eher praxisorientiert gelehrt wird usw.
8. Jetzt sollte die Anzahl der verbliebenen Hochschulen bereits sehr gering sein. Wenn Du die Möglichkeit hast, dann besuche die übrigen Unis und sieh dir selbst an, ob Du dort die nächsten Jahre verbringen möchtest. Oder entscheide Dich aufgrund der jeweiligen Stadt. Den letzten Ausschlag bei der Hochschulwahl gibt immer das Gefühl - ganz subjektiv.
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