Das freiwillige soziale Jahr
Das freiwillige soziale Jahr (FSJ) ist ein Freiwilligendienst, der sich meist über den Zeitraum eines Jahres erstreckt, grundsätzlich aber zwischen sechs und 18, ganz selten 24 Monate dauern kann. In dieser Zeit können Jugendliche und junge Erwachsene praktische Erfahrungen bei karitativen und gemeinwohlorientierten Einrichtungen sammeln. Jährlich nehmen über 25.000 16- bis 26-Jährige dieses Angebot wahr.
Wie es der Name schon sagt, ist das FSJ freiwillig. Jeder im richtigen Alter darf es absolvieren, sofern die Schulpflicht erfüllt wurde; ein besonderer Abschluss oder Vorkenntnisse sind nicht notwendig.
Wertvolle Erfahrung, keine Notlösung
Zwar erwirbt man mit einem freiwilligen sozialen Jahr Wartesemester, die einem später dabei helfen können, einen Studienplatz zu ergattern. Wer aber ausschließlich auf diese Wartesemester spekuliert, wird nicht glücklich werden: Das FSJ verlangt viel Engagement und Einsatz. Dafür bietet es gerade Abiturienten eine einmalige Gelegenheit, sozial tätig zu sein und dabei bereits ein wenig Arbeitspraxis zu sammeln. Die zahlt sich vor allem bei einem späteren Studium beispielsweise der Medizin oder Pädagogik aus. Aber auch, wer anschließend in einem ganz anderen Berufsfeld durchstarten will, profitiert sein Leben lang von der sozialen Kompetenz, die er während des FSJ erwirbt.
Einsatzstätten für ein FSJ
Während eines freiwilligen sozialen Jahres leistest Du einen wichtigen Dienst an der Gesellschaft. Das freiwillige soziale Jahr kann in Einrichtungen aus folgenden Bereichen geleistet werden:
sozialer Bereich:
Krankenhaus, Alten-/ Pflegeheim, Jugendclub, Behindertenwerkstatt Sanitäts-/ Rettungsdienste etc
pädagogischer Bereich:
Kindergarten, Kindertagesstätte, Förderschule etc.
kultureller Bereich:
Theater, Museum, Kulturvereine etc.
im Sport:
Sportvereine, Sportverbände etc.
in der Politik:
Parteien, Parlamente etc.
in der Denkmalpflege (auch Freiwilliges Jahr in der Denkmalpflege, FJD, genannt):
Gedenkstätten, Archive etc.
in der Kirche:
evangelisch: Diakonisches Jahr
katholisch: Welt-Freiwilligendienst
Unabhängig von Deiner Einsatzstelle wirst Du während des freiwilligen sozialen Jahres Deinen Charakter weiterentwickeln, wichtige soziale und personale Kompetenzen erwerben, mit vielen neuen Menschen in Kontakt kommen und Verantwortungsbewusstsein zeigen. Alles Schlüsselqualifikationen, die bei Deinen zukünftigen Arbeitgebern sehr gefragt sind.
Bezahlung und soziale Absicherung
Während eines freiwilligen sozialen Jahres arbeitest Du Vollzeit und hast normalerweise den gesetzlichen Urlaubsanspruch von zwei Tagen pro Monat. Du bist sozialversichert; die Beiträge für Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen-, Renten- und Unfallversicherung werden von der Einsatzstelle bezahlt. Wer ein freiwilliges soziales Jahr ableistet, ist einem Auszubildenden ähnlich gestellt. So wird die Zeit bei der Altersvorsorge angerechnet und Kindergeld weiterhin ausgezahlt.
Außerdem wird der Einsatz vergütet. Die Höhe der Entlohnung variiert allerdings von Einrichtung zu Einrichtung oft stark und fällt generell eher gering aus – daher die übliche Bezeichnung „Taschengeld“ statt „Lohn“. In vielen Fällen erhältst Du aber einen Zuschuss oder eine Erstattung der Kosten für Unterkunft und Verpflegung.
Zusatzangebote beim FSJ
Im Gesetz zur Förderung eines freiwilligen sozialen Jahres steht, dass eine pädagogische Begleitung in Form von Seminaren (mindesten 25 Seminartage) angeboten werden muss. Die Teilnahme ist für alle FSJ-Teilnehmer Pflicht. Dort lernen sie die Grundlagen ihres Einsatzfeldes kennen. Im Sportbereich kann das eine komplette Übungsleiter-Ausbildung sein, im Rettungsdienst die Ausbildlung zum Rettungshelfer oder -sanitäter. Diese Schulungen werden vom jeweiligen Träger anteilig, oft auch voll bezahlt.
Bewerbung für ein freiwilliges soziales Jahr
Wo Du ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr im In- oder Ausland machen kannst, erfährst du erfährst Du durch die Adressliste des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
Du hast einen Träger gefunden, der Dich besonders interessiert? Dann nimm frühzeitig Kontakt mit ihm auf und erkundige Dich nach den bei ihm geltenden Bewerbungsanforderungen und -fristen.
FSJ statt Wehr- und Zivildienst
Eine weitere Alternative zum Wehr- und Zivildienst ist der Freiwilligendienst (freiwilliges soziales/ ökologisches Jahr). Er kann nach einer Wehrdienstverweigerung im In- oder Ausland abgeleistet werden, dauert im Unterschied zum Zivildienst aber mindestens zwölf Monate. Der Freiwilligendienst ist schon früh möglich; wer mit 16,5 Jahren „vorab verweigert“, darf bereits mit 17 ins freiwillige Jahr starten. Wichtig: Die Verweigerung muss immer vor der Unterzeichnung eines Vertrags über den Freiwilligendienst erfolgen.
Der Vorteil des Freiwilligendienstes ist, dass die Einsatzmöglichkeiten breiter gestreut sind als beim Zivildienst. So kannst Du beispielsweise ein FSJ in Deinem Sportverein zum Beispiel im Behindertensport ableisten, in einer kulturellen Einrichtung, bei der Denkmalpflege oder in einer Schule. Das freiwillige ökologische Jahr bietet die Chance, bei der Landschaftspflege, in Forstbehörden oder im Vogelschutz mitzuarbeiten – und das in Deutschland ebenso wie im Rest der Welt.
- Weitere Informationen zum Ersatz des Wehr- und Zivildienstes erhältst Du beim Bundesamt für den Zivildienst
Gesetzliche Neuerungen für das FSJ
Seit dem 1. Juni 2008 gibt es ein neues Gesetz zur Förderung von Jugendfreiwilligendiensten (JFDG), das einige Verbesserungen und Erleichterungen mit sich bringt. So kann die Dauer des FSJ nun flexibler gehandhabt werden – es können auch mehrere mindestens sechsmonatige Dienste in verschiedenen Einsatzstellen geleistet werden. Dadurch ist nun auch eine Kombination von einem Freiwilligendienst im In- und Ausland möglich. In Ausnahmefällen ist sogar die Einteilung in dreimonatige Blöcke möglich.
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