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20.10.2008
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Im Interview: Ulrich Müller, Centrum für Hochschulentwicklung - CHE

Halten Sie die Einführung von Studiengebühren für sinnvoll?

Studiengebühren sind nicht per se "gut" oder "schlecht", sondern man kann sie gut oder schlecht umsetzen. Bei einer sinnvollen Einführung und Modellgestaltung kann man die möglichen Risiken vermeiden (Abschreckungseffekte, soziale Auslese, "Versickern" der Einnahmen im Staatshaushalt) und die Chancen nutzen (Verbesserungen in Studium und Lehre, Minderung der Unterfinanzierung der Hochschulen, Anreiz zu größerer Reflexion von Studienentscheidungen, größere Nachfrageorientierung der Hochschulen). Die existierenden Regelungen sind in dieser Hinsicht positiv zu bewerten.

Gibt es Ihrer Meinung nach einen angemessenen Ausgleich für die Belastungen durch Studiengebühren?

Jedes der sechs Bundesländer, die derzeit Studiengebühren erheben, bietet ein zinsgünstiges Darlehen an. Das ermöglicht es allen Studierenden, die Beiträge "nachlaufend" zu bezahlen - nämlich nach dem Abschluss, nach dem Berufseinstieg. Wer also während des Studiums die 83 € im Monat nicht aufbringen kann, wird dennoch nicht vom Studium abgehalten. Damit ist im Wesentlichen eine sozialverträgliche Ausgestaltung der Studiengebühren sichergestellt. Darüber hinaus gibt es vielfach weitere Refinanzierungsmöglichkeiten, zum Beispiel Befreiungen oder Stipendien.

Welche Finanzierung würden Sie einem Studierenden empfehlen?

Zunächst gilt es, für Lebenshaltungskosten und eventuelle Studienbeiträge die Finanzierungsquellen auszuschöpfen, bei denen keine oder nur eine geringe Rückzahlungsverpflichtung besteht. Das sind Eltern, BAföG, Stipendien oder Jobs. Ein Studienkredit macht nur Sinn, wenn damit eine Finanzierungslücke geschlossen werden kann, die anders nicht zu stopfen ist.

Wann sollte man einen Kredit in Anspruch nehmen?

Generell gilt: so wenig aufnehmen wie möglich, so viel wie nötig. Vor zu großer Leichtfertigkeit bei der Aufnahme von Studienkrediten kann ich nur warnen. In Ausbildungszeiten ist der Lebensstandard naturgemäß niedriger als bei Berufstätigen, da sollte man realistisch bleiben. Ein Kredit sollte nicht dazu dienen, auf Kosten von morgen einen höheren Lebensstandard zu fahren.
Doch vielleicht bleibt eine Finanzierungslücke, selbst wenn alle Einsparmöglichkeiten ausgereizt und alle anderen Finanzierungsquellen ausgeschöpft sind. Und genau dann ist ein Studienkredit das Richtige. Ein Studiendarlehen kann auch für bestimmte Zeiträume, zum Beispiel die Studienabschlussphase, sinnvoll sein, damit man sich voll und ganz auf das Studium konzentrieren kann. Aber: Ein studienfachnaher Job etwa bedeutet in vielen Fällen ein großes "Plus" für den Berufseinstieg und ist von daher sinnvoller als ein Kredit.

Worauf müssen Studierende achten, wenn Sie einen Studienkredit in Anspruch nehmen?

Ich empfehle vier Schritte zu einer Entscheidung:

  • Kassensturz: Der wirkliche Bedarf sollte kalkuliert werden.
  • Klärung der Anforderungen: Wer die Hochschule wechseln will oder Auslandsaufenthalte plant, muss darauf achten, dass der Kreditanbieter das nicht ausschließt.
  • Vergleich: In den entscheidenden Punkten müssen die durchaus unterschiedlichen Konditionen der Anbieter verglichen werden.
  • Angebot erstellen lassen: In Frage kommende Kreditinstitute sollten einen detaillierten Tilgungsplan erstellen. Den Vertrag sollte man aber nicht direkt unterschreiben, sondern in Ruhe die Angebote vergleichen.

Als Entscheidungshilfe steht unser CHE-Studienkredit-Test kostenlos zum Download zur Verfügung (www.che-studienkredit-test.de).

Wer keine Lebenshaltungskosten, sondern nur die Kosten von Studienbeiträgen abfangen möchte, ist meist mit den Angeboten der Länder am besten bedient. Das gilt besonders für BAföG-Empfänger: Die bekommen nämlich in vielen Fällen ab einer gewissen Rückzahlungsverpflichtung einen spürbaren Schuldenerlass.

Welche Unterschiede gibt es?

Studiendarlehen sind größtenteils fair und in der Regel flexibler als "normale" Konsumentenkredite. Dennoch gibt es große Unterschiede in Bezug auf die Zielgruppe, die Konditionen, die Flexibilität. Insgesamt kann man sagen: "Den" guten Kredit gibt es nicht, jeder Interessierte muss "seinen" Kredit finden. Ein Vergleich in den individuell entscheidenden Punkten lohnt sich.

Banken bieten die unterschiedlichsten Zinssätze an: nominal, effektiv, fix oder variabel. Woher wissen Studierende welches Angebot wirklich vorteilhafter ist?
Man sollte darauf achten, ob der Zinssatz nach oben begrenzt oder sogar fixiert ist - variable Zinssätze können dagegen deutlich ansteigen. Vor allem gilt aber: Entscheidend ist nicht nur der Zinssatz. Wer beispielsweise das Fach oder die Hochschule wechseln will bzw. einen Auslandsaufenthalt plant, muss eventuell höhere Zinsen in Kauf nehmen - nicht alle Anbieter ermöglichen nämlich diese Flexibilität und Mobilität.

Welche Prognose würden Sie für den Markt der Studienfinanzierung/ der Studienkredite aussprechen? Welcher Trend zeichnet sich gerade ab?

In den letzten zwei, drei Jahren hat sich ein breites Angebot entwickelt, das durchaus positiv zu bewerten ist. Studienkredite stellen eine gute Ergänzung zu herkömmlichen Finanzierungsmethoden wie Jobben, BAföG, Eltern oder Stipendium dar. Ich vermute, dass sich diese Angebote weiter etablieren werden. Sie werden dauerhaft einen wichtigen Part im Finanzierungsmix der Studierenden darstellen.

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