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01.05.2009
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Begabtenförderungswerke: Stipendien für Engagierte

Von Kay Szantyr

Dass sich soziales Engagement im Lebenslauf gut macht, ist dank diverser Bewerbungsratgeber allgemein bekannt. Dass das Ehrenamt aber bereits während des Studiums bares Geld bescheren kann, klingt schon überraschender. Aber nur, bis man sich die Vergabekriterien für die Stipendien der Begabtenförderungswerke ansieht: Neben guten Noten verhilft nämlich auch sozialer Einsatz zum Stipendium.

Elf Begabtenförderungswerke, ein Gedanke

Der Name ist eigentlich bereits irreführend: Die Begabtenförderungswerke unterstützen zwar begabte Studierende und Promovierende, aber Begabung, die sich in guten Noten zeigt, ist eben nicht das einzige Kriterium. Die zusätzlichen Anforderungen entstammen dem Gründungsgedanken der Werke. Mithilfe der Stipendien soll nämlich die Zukunft der Gesellschaft gesichert werden. Und die braucht zwar Fachwissen, aber eben auch soziales und engagiertes Verhalten - Stichwort: "leistungsfähige Verantwortungseliten".

Aus welcher Bevölkerungsschicht diese Eliten kommen, ist gleich. Die elf vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützen Begabtenförderungswerke sollen die Pluralität der Gesellschaft widerspiegeln und sind daher teilweise konfessionell oder politisch ausgerichtet.

Die Förderung: Geld und Wissen

Welchen Kriterien genau der künftige Stipendiat entsprechen muss, ist von Werk zu Werk verschieden. Alle aber bieten den erfolgreichen Bewerbern ähnliche Leistungen:

  • Das Grundstipendium für Studierende beträgt bis zu 585 Euro im Monat. Die tatsächliche Auszahlung wird nach denselben Kriterien berechnet wie beim BAföG.
  • Pauschal 80 Euro Büchergeld (monatlich)
  • Bis zu 50 Euro Krankenkassenzuschlag sowie 9 Euro Pflegeversicherungszuschuss (monatlich)
  • Gegebenenfalls 155 Euro Familienzuschlag (monatlich) sowie 113 Euro für die Betreuungskosten des ersten Kind und 85 Euro für jedes weitere (monatlich)
  • Promovierende erhalten 1.050 Euro pro Monat, bei Bedarf Familien- und Betreuungskostenzuschlag  und auf Antrag eine Forschungskostenpauschale von 100 Euro.
  • Die Stipendiaten können an Seminaren, Foren oder Kollegs teilnehmen, die ihre fachlichen oder überfachlichen Kompetenzen stärken. Manchmal ist die Teilnahme verpflichtend.
  • Auslandsaufenthalte, seien es Auslandssemester oder Auslandspraktika, können auf Antrag zusätzlich gefördert werden. Studiengebühren für die ausländische Uni werden bis zu einer Obergrenze erstattet. Auch eine finanzielle Unterstützung für nachweislich studienfördernde Sprachkurse ist möglich.

Diese Leistungen werden bei Studierenden entsprechend der Förderungshöchstdauer des BAföG vergeben, bei Promovierenden für zwei Jahre mit Verlängerungsmöglichkeit. Aber Achtung: Wer bei den Pflichtterminen nicht erscheint, die geforderte überdurchschnittliche Studienleistung  über längere Zeit nicht zeigt und an keinen der Stipendiaten-Aktivitäten teilnimmt, kann sein Stipendium auch wieder verlieren. Allerdings, heißt es von der Stiftung der Deutschen Wirtschaft in Berlin, komme das ausgesprochen selten vor. Und bevor der Geldsegen der Stiftung ausläuft, werden diverse Mahnungen ausgesprochen und Gespräche geführt.

An vielen Hochschulen von der Universität Ulm bis zur Wilhelmsuniversität Münster müssen Stipendiaten der Begabtenförderungswerke übrigens auf Antrag keine Studiengebühren zahlen - dort profitieren sie also doppelt.

Die Überparteilichen - Studienstiftung und SDW

Die Studienstiftung des Deutschen Volkes ist eines der ältesten Begabtenförderungswerke - gegründet 1925 - und das größte. Rund 9.000 Studenten werden derzeit gefördert (und 900 Doktoranden), jedes Jahr kommen 3.500 neue hinzu. Die Fördergelder stammen vom Bund, den Ländern und über 6.000 privaten Spendern.

Die Studienstiftung ist überkonfessionell und überparteilich, sodass sie allen Studierenden offen steht. Eine Selbstbewerbung ist allerdings nicht möglich. Die künftigen Stipendiaten müssen durch ihre Lehrer, Dozenten oder Professoren vorgeschlagen werden. Vor der Aufnahme steht wie bei allen Stiftungen noch ein Auswahlverfahren, das Interviews und Gruppendiskussionen umfasst.

Die Stiftung der Deutschen Wirtschaft hat ein ganz ähnliches Auswahlverfahren, in das man allerdings per Selbstbewerbung hineinkommen kann. Sie wendet sich vor allem an den Nachwuchs mit Führungspotenzial. Ein spezielles Förderprogramm gibt es außerdem für Lehramtsstudierende.  Die SDW finanziert sich vor allem durch Beiträge der Arbeitgeberverbände der Metall-, Textil- oder Versicherungsindustrie und von Einzelunternehmen. Die Aufnahme erfolgt - bei Eignung - auf eine Initiativbewerbung hin.

Die politischen Stiftungen

Ein großer Teil der Begabtenförderungswerke sind politische Stiftungen. Das bedeutet aber nicht, dass sie nur Parteimitglieder unterstützen. Der einhellige Tenor der bereits aufgenommenen Stipendiaten lautet: "Es geht um den Menschen - nicht um die politische Ausrichtung." Wer sich mit der Politik der jeweiligen Partei gar nicht identifizieren kann, sollte sich aber dennoch überlegen, ob er sich nicht bei einer anderen Stiftung bewirbt.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung wurde bereits 1925 gegründet und sieht sich den Grundwerten der sozialen Demokratie verpflichtet. Sie führt politische Bildungsprogramme, Forschung und die Begabtenförderung weltweit durch. Es gilt das Prinzip der Selbstbewerbung.

Nach einem der Mitbegründer der bayerischen CSU benannt wurde die Hanns-Seidel-Stiftung. Neben Studierenden und Promovierenden fördert sie besonders den journalistischen Nachwuchs. Auch hier kann man sich selbst bewerben.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung widmet sich ganz der "ideellen und materiellen Förderung des liberalen akademischen Nachwuchses". Ein Schwerpunkt der Tätigkeit liegt auf dem Netzwerkcharakter der Stiftung; liberales politisches und gesellschaftliches Engagement wird bei den Studierenden, die sich bewerben, erwartet.

Gewerkschaftsnah ist die Hans-Böckler-Stiftung. Ihr Ziel ist vorrangig die Unterstützung von jungen Menschen, die sich ein Studium sonst nicht leisten könnten, und von bereits Berufstätigen, die noch einmal an die Uni möchten. Dem entsprechend kann man neben der Selbstbewerbung auch durch einen Vorschlag von DGB oder Gewerkschaft zum Stipendiaten werden.

Die politische Stiftung der Grünen heißt Heinrich-Böll-Stiftung. Sie setzt sich für ökologische und demokratische Themen ein und legt einen regionalen Schwerpunkt auf Ostdeutschland, Osteuropa und die GUS. Künftige Stipendiaten - vor allem Frauen und Studierende mit Migrationshintergrund - dürfen sich selbst bewerben.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung ist mit 2.600 Stipendiaten eins der größeren Begabtenförderungswerke. Es hat sich der Förderung künftiger Leistungseliten mit Verantwortungsbewusstsein verschrieben und vertritt ein christlich-demokratisches Wertebild. Eine Selbstbewerbung ist möglich.

Die bundesweite politische Stiftung der Linkspartei/PDS, die Rosa-Luxemburg-Stiftung, fördert Stipendiaten erst seit 1999. Neben der fachlichen Leistung wird ein ausgeprägtes gesellschaftliches Engagement von den Studierenden und Promovierenden erwartet, die sich bewerben.

Die kirchlichen Stiftungen

Während bei den politischen Stiftungen Parteizugehörigkeit nicht vorausgesetzt wird, sollte man bei den kirchlichen Begabtenförderungswerken doch den entsprechenden Glauben vertreten. Das Cusanuswerk ist das Studienförderungswerk der katholischen Kirche in Deutschland. Stipendiat wird man auf Vorschlag von Dozenten und Professoren oder durch eine Selbstbewerbung.

Auf demselben Weg erhält man auch ein Stipendium des Evangelischen Studienwerks Villigst, der Stiftung der Evangelischen Kirchen in Deutschland. Kurz nach dem Krieg gegründet, legt Villigst besonderen Wert auf Demokratie, Widerspruchstoleranz und soziale Verantwortung.

Die Förderstruktur

Die Begabtenförderungswerke erhalten den überwiegenden Teil ihres Geldes vom Bundesministerium für Forschung und Entwicklung. Außerdem tragen die Bundesländer und private Geldgeber die Förderungswerke mit.

2009 stellt das Bundesministerium mehr Geld (insgesamt gut 132 Mio. Euro) für Stipendien zur Verfügung. Das Ziel ist, dass insgesamt 1 Prozent aller Studierenden ein Stipendium der Begabtenförderungswerke erhalten. Das klingt nach nicht viel - bedeutet aber, dass sich immerhin 200.000 angehende Akademiker hochoffiziell als "begabt" bezeichnen dürfen.

  • Infos und Links zu den einzelnen Begabtenförderungswerken findest Du hier

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