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30.03.2009
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Schuldenfalle Studienkredit?

Von Katharina Werschetzki

Alle reden vom sensationellen Konzert, nur Du konntest nicht hingehen? Der Sommer steht vor der Tür und Du kannst Dir nicht einmal ein Eis kaufen? Verständlich, denn Studierende müssen heute rund 699 Euro Lebenshaltungskosten und dazu in vielen Bundesländern Studiengebühren aufbringen. Da heißt es sparen. Oder man nimmt ein neues Angebot der Banken wahr: Studienkredite. Allerdings gibt es vor Abschluss des Vertrags einiges zu beachten. Sonst wird es riskant - vor allem in der Rückzahlungsphase.

Der Stand der Dinge

Der Student von heute als neuer Kreditnehmer? Die Verbraucherschutzzentrale Nordrhein-Westfalen geht davon aus, dass bis Mitte 2008 bereits 230.000 Studienkredite vergeben wurden. Scheinbar sind die Angebote der Banken zur Studienfinanzierung für viele bereits unersätzlich. Kein Wunder: "Die Studienfinanzierung ist für 40 Prozent der Studierenden zum Problem geworden", sagt Stefan Grob, Pressesprecher des Deutschen Studentenwerks. Sieht man jedoch genauer hin, machen Studienkredite erst 1,5 Prozent der Einnahmen von Studierenden aus. Dies könnte an der Angst vor Schulden liegen, mit der man sich bei der Annahme eines verzinsten Darlehens auseinandersetzen muss.  Bevor man allerdings gar kein Studium beginnt, sind Studienkredite ein sinnvolle Alternative. Hier kannst Du Dich vorab informieren, wo die Gefahren bei Studienkrediten liegen.

1.) Immenser Rückzahlungsbetrag

"Ich rate davon ab, das Studium vollständig über einen Kredit zu finanzieren", sagt Studienberater Stefan Grob. Die Höchstgrenze für die Kreditaufnahme liegt derzeit bei 30.000 Euro. "Mit Zinsen ist man dann ganz schnell bei über 50.000 Euro, die man zurückzahlen muss." Die Rückzahlung falle in Phasen der Familiengründung und des Berufseinstiegs, wo es ohnehin schwierig sei, das Leben zu finanzieren. "Sinnvoll ist der Kredit höchstens in bestimmten Studienabschnitten wie der Examensphase oder bei einem Auslandsaufenthalt", meint Grob daher. Viele Banken bieten einen Studienkredit für genau diese Zwecke an. Doch auch hier gilt, sich über Rückzahlungskonditionen genauestens zu informieren. Wenn man nur über ein halbes Jahr einen Zuschuss benötigt, kann der Studienkredit eine sinnvolle Lösung sein. Der Rückzahlungsbetrag bleibt dabei überschaubar. Erstelle aber vor der Aufnahme eines Studienkredits unbedingt einen Plan über Deine Ein- und Ausgaben und lege fest, für welchen Zeitraum du tatsächlich einen Kredit benötigst.

Auch die Kreditaufnahme über einen kurzen Zeitraum während des Studiums - beispielsweise für ein Auslandssemester - birgt Gefahren. Grundsätzlich ist zum Bankdarlehen erst in einem späten Studienabschnitt zu raten. Schließt du einen Vertrag schon in den ersten Semestern ab, kann es sein, dass du schon während deines Studiums hohe Summen an die Bank zurückzahlen musst.

2.) Schuldenanstieg durch Zinsen

Der Unterschied der Studienkredite zu anderen Förderungsmöglichkeiten wie dem BAföG lautet: Du musst Zinsen zahlen. Der Zinssatz ist fest oder variabel. "Bei Zinssätzen ist es schwierig, zu einer allgemein gültigen Lösung  zu raten. Beim festen Zinssatz profitiert man nicht von möglichen Zinssenkungen. Andererseits gehen beim variablen Zinssatz in den Zeiten der Inflation die Schulden ganz schnell nach oben", warnt Verbraucherschützer Niels Nauhaus von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern weist auf ein weiteres Zins-Problem hin: Bei einem möglichen Studienabbruch würden zwar die monatlichen Darlehensbeiträge gestoppt, die Zinszahlungen laufen aber über den gesamten vertraglich geregelten  Kreditzahlungszeitraum weiter. Für den Studierenden bedeutet das: Risiken durch  Zinsschwankungen und Anhäufung der Zinsbeträge.

3.) Erschwerte Existenzgründung durch Tilgungsfrist

Wenn Du Dich trotz der Vorbehalte für einen Studienkredit entscheidest, musst Du Dir bewusst sein, dass Du nach Deinem Abschluss vor einem fünfstelligen Schuldenbetrag stehen kannst. Werden dann Rückzahlungsfristen nicht eingehalten, drohen gerichtliche Klagen der Banken bis hin zur Pfändung, räumt Niels Nauhaus von der Verbraucherzentrale in Baden-Württemberg ein.

Davor haben viele Studierende Angst - nicht unbegründet. Laut Matthias Brömmel, Schuldenberater der Landesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung in Hamburg, gibt es zwar noch keine Erfahrungsberichte von Absolventen in der Rückzahlungsphase: "Dazu ist das Thema noch nicht aktuell genug." Allerdings ließen sich seiner Meinung nach allgemeine Aussagen zur Kredittilgung in der Existenzgründungsphase treffen. "Häufig werden falsche Schwerpunkte gesetzt", sagt Brömmel. Aus Angst vor den Banken würden dann Kredite abbezahlt und zeitgleich zum Beispiel die Mietzahlungen vernachlässigt, da die Angst vorm Vermieter weniger groß sei. "Das hat in einigen Fällen schon zur Wohnungskündigung geführt."  Auch wenn man Schulden ansammelt, heißt es also: Ruhe bewahren und sich eventuell Hilfe bei einer Beratungsstelle holen.

Fazit: Kredit als letzte Alternative

Vor Aufnahme eines Kredits solltest Du alle anderen Möglichkeiten wie Nebenjob, BAföG, Eltern und Stipendium überprüfen. So musst du keine Zinsen zahlen und bleibst in vielen Fällen ganz schuldenfrei. Teilweise gibt es auch fachspezifische Förderungsangebote, über die Dich Dein örtliches Studentenwerk informieren kann. Ein Studienkredit ist die letzte Alternative. Sinnvoller jedoch als gar kein Studium zu beginnen, ist er allemal. Allerdings solltest Du genau prüfen, welchen Betrag Du wirklich benötigst - zum Beispiel mit der Checkliste für deinen Finanzbedarf.

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