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Motivation - der Flow und andere Helfer
von Kay Szantyr
Flow - das klingt nach Drogenrausch, ist aber einfach der Glückszustand, den auch erfolgreiches Arbeiten einem bescheren kann. Kommt man bei einer Tätigkeit erst einmal in den Flow, dann vergeht die Zeit wie im Flug. Diesem "Eintauchen" in die Aufgabe kannst Du ein wenig nachhelfen. Erster Schritt: Einfach mit der Arbeit anfangen.
Der Flow, dein Freund und Helfer
Ein Ziel oder Motiv zu haben, ist schon einmal ein guter Ansatz auf dem Weg zur echten intrinsischen Motivation. Leider genügt es nicht. Um verhaltenswirksam zu werden, muss das Motiv von Motivatoren begleitet werden, also von zum Handeln animierenden Begleitumständen. Welche Motivatoren wie stark wirken, ist bei jedem anders. Während beim einen der Kontakt zu einem hervorragenden Kommilitonen den Ehrgeiz anstachelt, bekommt der andere das Gefühl, ein Versager zu sein. Noch ein Grund, weshalb Motivationsseminare nur bei wenigen Teilnehmern fruchten, schließlich wird hier eine Methode für alle angewendet.
Mögliche Motivatoren (es gibt auch hier keine allgemein anerkannte Liste) sind auf der positiven Seite die Bedürfnisse nach Wettbewerb, Verbundenheit (Teamarbeit), Gerechtigkeit oder Selbstentfaltung sowie Neugier. "Motivation durch Abschreckung" bewirken beispielsweise die Angst vor dem Versagen, vor der Blamage, aber auch vor einem körperlichen Schaden.
Diese abschreckenden Motivatoren verhindern Untätigkeit - aber sie helfen mit Sicherheit nicht dabei, Spaß an der Arbeit zu entwickeln. "Ich darf nicht schon wieder versagen" hemmt eher, als dass es kreative und produktive Prozesse in Gang setzt. Weit besser ist es, sich (siehe oben) ein klares Ziel zu setzen und sich auf das Gefühl des Erfolgs zu freuen.
Freude - der Begriff taucht im Zusammenhang mit Motivationsforschung immer wieder auf. Emotionen spielen eine entscheidende Rolle bei der Entscheidung des Individuums, was es tut und was nicht. Natürlich ist nicht nur das "Bauchgefühl", sondern auch der Kopf wichtig: Kognitiv werden beständig die Chancen abgewogen, die ein Vorhaben wirklich hat. Wenn das Gehirn aber glaubt, dass das Ziel erreicht werden kann, und das Gefühl zur Tätigkeit stimmt, dann kommt man in jenen mysteriösen Flow, der einen Zeit und Ort vergessen lässt. Dabei dreht sich das zunächst einleuchtend erscheinende Verhältnis "Mehr Anstrengung = weniger Spaß" auf einmal um: Mehr Anstrengung bedeutet mehr Freude und mehr Flow.
Bei manchen Tätigkeiten kommt der Flow von selbst. Bei anderen, wie dem Lernen, kann ein wenig nachgeholfen werden. Wichtig für sein Entstehen sind kurze Feedback-Schleifen, wie sie oben bereits angesprochen wurden. Das bedeutet, dass in zeitlich kurzen Abständen Erfolgserlebnisse eintreten müssen. Wer einen 600-Seiten-Stapel vor sich hinlegt und ihn herunterarbeiten will, der wird sich schwer tun. Wer ihn aber in 10-Seiten-Blöcke zerlegt, freut sich über jeden Stoß Blätter, den er zur Seite legen kann.
Motivationstipp
Finde für Dich selbst heraus, welche Motivatoren bei Dir besonders wirken, und nutze sie beim Lernen:
Wettbewerb
Du hast einen gesunden Ehrgeiz und misst Dich gerne mit anderen? Dann begib Dich in Konkurrenz mit Dir selbst. Du kannst beispielsweise versuchen, mehr Text in einer kürzeren Zeit zu lernen, Deine Notizen noch komprimierter zu gestalten, ohne dabei an Klarheit einzubüßen, oder Dich in Diskussionen mit besonders guten Kommilitonen selbst anstacheln.
Miteinander
Du bist ein Teamplayer durch und durch und findest es anregend, mit anderen zusammen den Stoff durchzusprechen, und lernst dadurch besonders gut? Dann suche Dir eine regelmäßige Lerngruppe. Sie verpflichtet Dich auch, eine gewisse Menge Lernstoff bis zu einem bestimmten Termin durchzuarbeiten.
Selbstentfaltung
Stures Auswendiglernen ist nicht Deins, weil Du Deine Kreativität zu stark unterdrücken musst. Musst Du nicht: Wenn Du Dir einen Stoff partout nicht merken kannst, dann mache einen Rap draus oder denk Dir ein Märchen dazu aus. Albern? Gut so - Lachen hilft der Motivation ungemein.
Neugier
Du bist eigentlich ein neugieriger Mensch, aber der Stoff ist doch zu trocken. Denkst Du. Und weil Du das denkst, ist es auch so. Aber schließlich kennst Du den Stoff noch nicht, sonst würdest Du ihn nicht lernen - und Du weißt unter Umständen noch gar nicht, was Du einmal damit anfangen kannst. Neugier, wie Motivation allgemein, entsteht aus sich selbst heraus. Wenn Du einmal die Anfangsblockade überwunden und das erste Bisschen Stoff verstanden hast, dann kommt das Interesse an mehr oft von selbst.
Aller Anfang...
Viele Studenten haben mit dem Lernen und der Motivation gar nicht so große Probleme, wie sie denken. Ein Problem bildet nur der Anfang. Wer erst einmal die richtige Atmosphäre geschaffen hat und an den Büchern sitzt, der wird kaum in Langeweile verfallen, denn er ist ja beschäftigt.
Langeweile und Überforderung sind die beiden natürlichen Feinde der Motivation und des Flow. Langeweile entsteht bei immer gleichen Tätigkeiten oder wenn man etwas liest, das einem nichts Neues bietet. Ist das der Fall, dann sollte man die Lektüre beenden - sie ist offensichtlich überflüssig.
Überforderung hingegen ist oft nur eingebildet. Ein entscheidender Teil der Motivation ist die innere Haltung zu dem, was geleistet werden soll. Diese Grundhaltung basiert auf Referenzerfahrungen, die zu bestimmten Verhaltensmustern führten. Im Extremfall ruft der Anblick eines Statistikbuchs einen tiefen Seufzer hervor, zumindest aber tiefe Abneigung. Sie basiert auf vielen Stunden, die man bereits verzweifelt über den Formeln verbracht hat. Jedes Verhaltensmuster, das man sich angewöhnt hat, kann man aber auch modifizieren. Das geht nicht von heute auf morgen, wie schon Mark Twain erkannte: "Eine Angewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen. Man muss sie die Treppe hinunterboxen, Stufe um Stufe."
Der Weg zur Motivation für schwierigen Lernstoff ist also kein einfacher - er verlangt konstante Arbeit an sich selbst. Einmal gegangen aber erleichtert er das Leben und das Studium ungemein.
Motivationstipp
Streiche folgende Sätze aus Deinem Kopf:
- Ich kann das nicht/ Ich werde das nie verstehen/ Dafür bin ich zu dumm.
- Das hat mir noch nie Spaß gemacht.
- Das interessiert mich nicht (vor allem, wenn man den Stoff noch gar nicht gelesen hat).
- Ich MUSS noch... (oder, noch schlimmer: Ich müsste noch...).
Ersetze sie konsequent durch folgende Sätze:
- Ich werde das jetzt verstehen (schließlich setze ich mir meine Grenzen selbst).
- Wenn ich es verstanden habe, werde ich einen Weg finden, es mit Spaß anzuwenden.
- Mal sehen, was ich Neues lernen kann.
- Ich will noch... (oder, wenn das gar nicht geht, zumindest: Ich möchte noch...).
Motivation braucht Raum
Die Gedanken stimmen, das Gefühl ist da, die wichtigsten Motivatoren sind vorhanden - und trotzdem funktioniert das Lernen nicht, weil die Kinder von nebenan gerade Fangen spielen. Der Psychologe und Arbeitswissenschaftler Frederick Herzberg unterschied von den Motivatoren die "Hygienefaktoren" oder Demotivatoren. Sie sind es, die bei der Arbeit (aber auch sonst) Unzufriedenheit verhindern. Sie tragen also nicht aktiv zur Motivation bei. Wenn sie aber nicht stimmig sind, dann können sie massiv demotivieren.
Zu den Hygienefaktoren zählen beispielsweise ein ruhiger Arbeitsplatz, ein gut schreibender Stift, ein bequemer Stuhl und Ähnliches. Hinzu kommt: Wer sich einmal auf einer harten Bank und mit schmerzendem Rücken durch seinen Lernstoff quälte, wird beim nächsten Mal noch unwilliger an die Aufgabe herangehen. Sein Körper und sein Gehirn haben die Verbindung "Lernen = unangenehm" dann bereits abgespeichert - eine negative Erfahrung.
Ein geeigneter Arbeitsplatz und hochwertiges Material muss natürlich vorhanden sein. Daneben kann man sich durch bestimmte Rituale in Lernstimmung bringen - zum Beispiel, indem man immer seinen Lieblingspulli anzieht, bevor man sich an den Schreibtisch setzt, oder eine Tasse Kaffee aufbrüht. Und man kann sich selbst immer wieder daran erinnern, dass Nichtstun nachweislich aggressiv macht. Durch das Lernen auf die nächste Klausur trägst Du also zum Weltfrieden bei. Das motiviert doch, oder?
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