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    22.12.2008
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    Die richtige Rhetorik bei Präsentationen

    Mit den Abschlussprüfungen ist endlich die Zeit der Prüfungen und vor allem Referate vorbei – viele Abiturienten atmen da erleichtert auf. Aber die Ernüchterung kommt schnell. Auch an der Uni sind Referate kaum vermeidbar, und später im Berufsleben kommen Präsentationen immer wieder auf Dich zu. Doch es gibt keinen Grund, sich vor dem freien Sprechen vor der Gruppe zu fürchten. Einige Tricks helfen Dir, jede Präsentation gelassen zu meistern.

    Die nötige Vorarbeit

    "Ehe wir uns anschicken, andere zu überzeugen, müssen wir selbst überzeugt sein." (Dale Carnegie)

    Die Grundlage einer erfolgreichen Präsentation: Du musst voll und ganz von Deinem Thema überzeugt sein und es genau kennen. Nur so kannst Du die Zuhörer mit Deinen Worten gewinnen. Dafür ist eine intensive Recherchearbeit unumgänglich.

    Eine Präsentation fesselt die Zuhörer dann, wenn sie gut durchdacht und klar strukturiert ist. Eine große Hilfe sind die fünf Produktionsstufen, die bereits in der Antike entwickelt wurden und nach wie vor ihre Gültigkeit haben:

    1. Erfindung (inventio)

    Damit ist im Wesentlichen die Argumentationsfindung (Topik) gemeint. Verschaffe Dir den nötigen Hintergrund und suche den Standpunkt, den Du in Deiner Präsentation vertreten wirst – und hinter dem Du wirklich stehst.

    2. Gliederung (dispositio)

    Deine Präsentation sollte den Zuhörer zum Thema hinführen, ihm das Gewicht Deines Standpunkts verdeutlichen und mit einem entsprechenden Fazit aus der Präsentation entlassen. Bei der Struktur der Arbeit kann man sich an die "natürliche" Gliederung halten:

    • Einleitung
    • Beschreibung des Sachverhalts
    • Argumentation
    • Schlussfolgerung

    3. Einkleidung der Gedanken (elocution)

    In diesem Schritt werden die Gedanken exakt und auf das Ziel der Präsentation ausgerichtet formuliert. Dazu werden auch die die Rede begleitenden Materialien (Konzeptpapier/Handout, PowerPoint-Präsentation etc.) angefertigt.

    4. Einprägen der Präsentation (memoria)

    Von einem "Auswendiglernen" des Vortrages ist zwar abzuraten, gut einprägen solltest Du Dir Struktur und Argumente aber auf jeden Fall. Je freier gesprochen und je weniger abgelesen wird, desto besser.

    5. Die Präsentation (pronuntiatio, actio)

    Im letzten Schritt wird die Rede vor Publikum gehalten.

    Für alle fünf Schritte gilt: Das Ziel der Rede darf nie aus den Augen verloren werden.

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    Der Aufbau der Präsentation

    "Eine gute Rede ist wie ein Bikini – knapp genug, um spannend zu sein, aber alle wesentlichen Stellen abdeckend." (John F. Kennedy)

    Auch der Aufbau der Rede orientiert sich nach wie vor an dem antiken Standard. Der bietet nämlich eine kluge Gliederung, in der alle wichtigen Aspekte einer Präsentation ihren Platz finden:

    1. Darlegung der Absicht (exordium)

    Mit dem Redeanfang will man das Publikum erreichen und es dem Thema gegenüber positiv stimmen. Außerdem werden die Zuhörer bereits inhaltlich auf den Hauptteil vorbereitet.

    2. Darstellung und Widerlegung (narrativ/ proposito)

    Dieser Abschnitt stammt ursprünglich aus der Gerichtsrede, in der nun der der Tathergang erläutert wurde. Bei nicht-juristischen Reden stellt er einen geeigneten Moment dar, um die Sachlage aufzuzeigen. Dabei können Fakten unterstrichen und Fehlannahmen widerlegt werden. Allerdings sollte dieser Teil nicht zu lang und komplex ausfallen – das Wichtigste kommt schließlich noch.

    3. Beweisführung (argumentatio)

    Die zuvor aufgestellten und erläuterten Thesen überzeugen nur, wenn Du sie auch beweisen kannst. Jetzt ist es Zeit, die Argumente, die Deinen Standpunkt unterstreichen, gezielt darzustellen. 

    4. Schlussfolgerung und Zusammenfassung (tractatio)

    Da der Sachverhalt für die meisten Zuhörer neu gewesen sein dürfte, ist es hilfreich, die wichtigsten Punkte noch einmal zusammenzufassen. Auf diese Zusammenfassung folgen Deine Ergebnisse in Form eines Schlusssatzes (conclusio/ peroratio). Der Schluss sollte Deine Präsentation perfekt abrunden und will gut überlegt sein, da er in den Köpfen des Publikums haften bleibt.

    Grundsätzlich sollte eine Rede so pointiert und kurz wie möglich sein. Nur so kannst Du Dein Publikum fesseln und erfolgreich übermitteln, was Dir wichtig ist. Aber auch die folgenden Aspekte sind für eine erfolgreiche Präsentation unverzichtbar:

    • Konzentriere Dich auf das Wesentliche – überprüfe Deine Präsentation auf überflüssige Sätze oder Passagen. Schweife nicht vom Kernthema ab.
    • Benutze einfache, klare Sätze. Beschränke Dich dabei auf Hauptsätze. Relativ- oder Schachtelsätze ermüden den Zuhörer.
    • Betone die Verben, verwende wenig Substantive. Verben machen eine Rede lebendiger und wecken die Aufmerksamkeit des Publikums.
    • Vermeide Fremdwörter oder Fachvokabular, um Dein Publikum nicht zu verwirren. Solltest Du Fachwörter verwenden, ist eine kurze Erläuterung angebracht.
    • Weise Deine Zuhörer auf die besonders wichtigen Stellen hin. Einleitungssätze wie "Und jetzt kommt der Knackpunkt" oder "Das ist besonders wichtig für das Verständnis" erzeugen beim Publikum eine erhöhte Aufmerksamkeit.

    Aller Anfang ist schwer

    "Am Anfang war das Wort, nicht das Geschwätz." (Gottfried Benn)

    Der Anfang einer Präsentation ist der schwierigste Teil, da er die Aufmerksamkeit Deiner Zuhörerschaft gewinnen muss. Ein guter Einstieg bedarf daher einigen Nachdenkens. Es gibt verschiedene Wege zu einem gelungenen Anfang:

    • Stelle eine interessante Frage an den Beginn Deines Vortrags. Dein Publikum wird Dir zuhören, weil es auf die Antwort gespannt ist.
    • Beginne mit Vergleichen, die eine positive Konnotation besitzen. Greife auch während der Präsentation immer wieder Vergleiche auf, das regt die Vorstellungskraft des Publikums an, gestaltet Deinen Vortrag lebendiger und trägt zur Verständlichkeit bei.
    • Wenn Du Dein Publikum gut kennst, dann verweise am Anfang auf ein gemeinsames (Erfolgs-)Erlebnis. Das erzeugt eine positive Stimmung.
    • Zeige Deinem Publikum gleich, inwieweit es von Deinem Vortrag profitieren kann. Wer einen Mehrwert erkennt, ist von Anfang an aufmerksamer.
    • Beginne mit etwas Unerwartetem, beispielsweise einer kurzen Geschichte. Die Zuhörer sind dann gespannt, welcher Zusammenhang zwischen dem Thema und der anfänglichen Ausführung besteht.

    Natürlich lassen sich diese Möglichkeiten auch miteinander kombinieren. Allerdings darf die Einleitung dadurch nicht zu lang ist – sonst verlierst Du alle gerade gewonnene Aufmerksamkeit wieder. Verschaffe als nach einer kurzen Einleitung Deinem Publikum noch einen Überblick über Inhalte und Gliederung und gehe dann zum ersten Punkt über.

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    Übung macht den Meister

    "Reden lernt man durch Reden." (Marcus Tullius Cicero)

    Nur die wenigsten Redner halten aus dem Stegreif überzeugende Vorträge. Um das Publikum mit einer Präsentation zu fesseln, muss sie gut einstudiert sein.

    Während des Vortrags sind die wichtigen Worte oder Satzteile richtig zu betonen, sonst verliert das beste Argument an Wirkung. Halte die Präsentation einige Male für Dich selbst, damit Du im Ablauf und in der Formulierung sicher bist. Wer den Vortrag allerdings stur auswendig lernt, wirkt steif und erschwert dem Publikum das Zuhören. Das ist ebenso der Fall, wenn alles abgelesen wird. Am besten sind Stichpunkte auf Karteikarten: So bist Du gezwungen, die Sätze frei zu formulieren, und die Rede wirkt viel lebendiger. Sobald Du die Präsentation beherrschst, ist eine Generalprobe vor Kollegen oder Freunden empfehlenswert. Sie sollen Dir offen Feedback geben, was gut ist und was verbessert werden kann – sei nicht empfindlich, sondern nimm die Kritik dankbar an. Vor Deinem "Test-Publikum" kannst Du zudem vorab die Klarheit der Aussprache, die Lautstärke sowie den Blickkontakt mit den Zuhörern üben.

    Wir raten Dir, die Präsentation zusätzlich vor einem Spiegel zu halten. Dabei können Gestik und Mimik überprüft werden. Sie unterstreichen das Gesagte und tragen, wenn man sie richtig einsetzt, zu einer überzeugenden Präsentation bei. Achte darauf, dass Du während Deines Vortrags nicht zu unruhig bist. Zu viel Bewegung stört das Publikum oder lenkt es ab. Außerdem büßt Dein Vortrag an Souveränität ein, da die ständige Gewichtsverlagerung von einem auf das andere Bein oder der permanente Griff in die Haare ein Zeichen für Nervosität sind. Versuche deshalb, Deine Hände auf dem Pult zu lassen oder Deine Karten zu halten. Auch ein fester Stand kann eingeübt werden.

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    Die Materialien

    "Eine gute Rede hat einen guten Anfang und ein gutes Ende – und beides sollte möglichst dicht beieinander liegen." (Mark Twain)

    In der Kürze liegt bekanntlich die Würze – das gilt für die Präsentation selbst genauso wie für die begleitenden Materialien, von den PowerPoint-Folien bis zum Konzeptpapier (Handout). Der Einsatz von Medien aller Art sollte gut geplant werden und nur an einzelnen Stellen gezielt in die Präsentation einfließen. Die Materialien sollen den Vortrag unterstützen, aber nicht von ihm ablenken.

    Es ist sinnvoller, die Punkte erst zu erläutern und anschließend auf eine Tafel zu schreiben oder die betreffende PowerPoint-Folie aufzurufen. Arbeitet man in der umgekehrten Reihenfolge, liest das Publikum die neue Folie, statt sich auf den Vortrag zu konzentrieren.

    Wer seinem Publikum eine Zusammenfassung oder Ergänzung der Rede (Handout) zur Nachbereitung geben möchte, sollte dies besser nach der Präsentation tun. Sonst wird wiederum eher gelesen als zugehört.

    Immer mehr Redner verzichten wegen der Ablenkungsgefahr sogar komplett auf PowerPoint-Präsentationen. Wer seinen Vortrag dennoch visuell unterstützen möchte, der ist gut beraten, folgende Punkte zu beachten:

    • sparsam mit Stilelementen umgehen
    • nicht mehr als zwei Schrifttypen und -größen verwenden
    • bei der Farbgestaltung in einer Farbfamilie bleiben
    • die einzelnen Folien einheitlich gestalten
    • ein übermäßiger oder unbegründeter Einsatz von Spezialeffekten (Überblendungen, Sound) wirkt unseriös
    • die Folien übersichtlich gestalten
    • nur kurze Stichpunkte oder eine Zusammenfassung auf die Folien schreiben
    • eine Botschaft pro Folie
    • nur eine Überschrift pro Folie und wenige Bulletpoints
    • Fußnoten, wenn möglich, auf den Folien vermeiden
    • Zahlen, Rechnungen, Diagramme oder Grafiken exakt dann einblenden, wenn man im Vortrag darauf eingeht

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    Denke daran: Du bist mit Deinem Vortrag der Mittelpunkt der Präsentation – nicht die Materialen. Positioniere Dich also mittig auf der Bühne und stelle die Leinwand seitlich neben Dich. So kann Dich jeder sehen. Und darauf solltest Du Wert legen – schließlich hast Du viel Arbeit in Deine Präsentation investiert.

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