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    30.01.2009
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    Wege aus der Lernblockade

    Von Kay Szantyr

    Studieren heißt Lernen. Und Lernen macht Spaß - wenn man weiß, wie man es sich leicht macht. Dann überwiegt die Freude am neuen Wissen nämlich die Mühe, die die Zeit über den Büchern und in Lerngruppen meist bedeutet. Wer mit einer Lernblockade kämpft, kann vom Lernspaß nur träumen. Oder gezielt gegen die Blockade vorgehen.

    Ursachen von Lernblockaden

    Manchen Studenten bereitet das Lernen keine Probleme, solange sie nicht an die Prüfung denken, auf die sie sich gerade vorbereiten. Taucht die allerdings in ihren Gedanken auf, geht nichts mehr: Die Vorstellung des eigenen Versagens führt nicht nur zu einem flauen Gefühl im Magen, sondern auch zur großen Leere im Kopf.

    Lernblockaden entstehen oft aus der Angst, die eine Wettbewerbssituation und die Möglichkeit zu versagen hervorrufen. Und so, wie eine erschreckende Situation zu einer körperlichen Angststarre führen kann, verfällt bei Angst auch das Gehirn in eine Art Erstarrung. Dann ist es zwar in der Lage, auswendig zu lernen; das neue Wissen aber in den Kontext einzubetten gelingt beim besten Willen nicht. Diese Transferleistung - die auch für die Anwendung des Gelernten nötig ist - funktioniert nicht, weil der Hippocampus, ein Gehirnareal, aus dem System "ausgeschaltet" wird.

    Um die Angst vor der eigenen Blamage zu beheben, helfen Entspannungstechniken, die Änderung der Lernsituation oder einige therapeutische Sitzungen. Auf jeden Fall ist es hilfreich, sich von außen helfen zu lassen. Die übrigen Faktoren, die Ursachen einer Lernblockade sein können, kann man jedoch ganz leicht selbst beeinflussen. Eine üppige Mahlzeit vor dem Lernen beispielsweise schaltet den Körper auf Verdauung statt auf intellektuelle Höchstleistung. Schlechtes Sehen strengt zusätzlich an, sodass früher Ermüdungserscheinungen auftreten. Wer beim Lesen rasch ermüdet, sollte daher einen Optiker aufsuchen. Wenn die Umgebung ungeeignet ist - beispielsweise Lärm, Unruhe oder auch Hitze stören oder schlechte Luft zu einer Sauerstoff-Unterversorgung führt - erschwert das das Lernen. Beim nächsten Mal verbindet man "Lernen" automatisch mit diesem unangenehmen Gefühl. Schlechte Voraussetzungen, um sich freudig über den Lernstoff herzumachen.

    Eine Frage des richtigen Zeitpunkts

    Auch wenn alle störenden Einflüsse ausgeschaltet wurden, klappt die Konzentration nicht automatisch. Entscheidend für den Lernerfolg ist das richtige Timing. Das menschliche Gehirn unterliegt wie der menschliche Körper einem Zyklus aus Hoch- und Tiefphasen, dem so genannten Biorhythmus. Dieser gibt vor, wann wir körperlich besonders leistungsfähig sind, wann das Gehirn sehr aufnahmebereit ist - und wann wir uns nur ins Bett legen oder einen Spaziergang machen sollten.

    Am sehr frühen Morgen ist das Gehirn noch nicht wach und auch am frühen Nachmittag ruft es nach einer Ruhepause. Wer sich um diese Zeit nicht konzentrieren kann, der hat keine Lernblockade, sondern nur ein natürliches Leistungstief. Ein erstes geistiges Hoch stellt sich zwischen sieben und zehn Uhr morgens ein - Langschläfer verpassen also die größte Chance, leichter zu lernen. Gegen drei Uhr nachmittags ist das Gehirn noch einmal sehr aufnahmebereit. Die Abendstunden dagegen bieten sich für den körperlichen Ausgleich an, kurz: für den Sport.

    Leistungskurve

    Pausen braucht der Lernende

    Während des Studiums, insbesondere vor wichtigen Prüfungen, kann man jedoch nicht immer auf den Biorhythmus Rücksicht nehmen. Dann heißt es: Lernen, so viel und so lange es geht. Hat das Gehirn das Lernen einmal gelernt, tut es sich damit wesentlich leichter. Die Grundsteine hierfür werden in der Kindheit gelegt, aber auch im Studium selbst "gewöhnt" man sich immer mehr an große Lernbelastung. Auch dem lernwilligsten Studenten setzt die Natur allerdings Grenzen. Deshalb muss man auch bei hoher Lernbelastung auf einen ausgewogenen Lernrhythmus achten.

    Das menschliche Gehirn kann sich letztlich nur für rund eine halbe Stunde voll konzentrieren. Danach lässt die Konzentrationsfähigkeit deutlich ab. Ein sinnvoller Rhythmus wäre daher: 30 Minuten lernen, fünf Minuten Pause. Nach zwei bis drei Stunden wird es Zeit für eine längere Pause (bis zu einer halben Stunde), in der man ein wenig spazieren geht oder sich in der Mensa mit Kommilitonen unterhält - nur nicht über den Lernstoff.

    ADHS - auch bei Erwachsenen ein Problem

    Wenn die richtige Umgebung, Lerntechnik und selbst Motivationstraining nichts helfen, dann hat die Lernblockade unter Umständen eine neurobiologische Ursache. Allerdings ist dies nur bei rund drei bis fünf Prozent der Menschen der Fall. So oft tritt ADHS, die vor allem bei Kindern bekannte Aufmerksamkeitsdefizitstörung, auch im Erwachsenenalter auf. Der Prozentsatz unter Studenten dürfte noch einmal geringer sein, da viele ADHS-Patienten es nicht zur Hochschulreife und an die Uni schaffen.

    ADHS macht sich in Problemen bei der Lernorganisation bemerkbar, nicht wie bei Jugendlichen in Hyperaktivität. Oft langweilen sich die Betroffenen sehr schnell auch bei neuen Themen und empfinden die Situation in den lauten und unruhigen Vorlesungen als unerträglich. Menschen mit ADHS haben Schwierigkeiten, sich von den einströmenden Reizen abzuschotten. Der so genannte Flow bei einer Aufgabe, bei dem man nicht mehr mitbekommt, was um einen herum vorgeht, ist für sie nur sehr selten zu erreichen (siehe auch Motivation). Außerdem haben Erwachsene mit unbehandelter ADHS große Probleme, unter Druck, also in Prüfungssituationen, auf gespeichertes Wissen zuzugreifen.

    Aber, wie gesagt: Nur ein sehr geringer Prozentsatz der Studenten hat tatsächlich ein neurobiologisch begründetes Aufmerksamkeitsdefizit. Wenn Du große Schwierigkeiten beim Lernen hast, benutzt Du vielleicht auch einfach nur die falsche Lerntechnik. Welche Möglichkeiten für den Wissenserwerb es gibt, erfährst Du auf Seite 2.

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