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    30.10.2008
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    Das Für und Wider von Studiengebühren

    Von Barbara Fiegl

    Studiengebühren bedeuten einen erheblichen finanziellen Mehraufwand für Studierende. Aber bringen sie auch Vorteile für die, die sie bezahlen müssen? Wie jedes Ding haben auch die Gebühren für die akademische Ausbildung zwei Seiten. Lerne beide kennen – und dann bilde Dir selbst eine Meinung.

    Pro Studiengebühren

    Verbesserung der Lehre

    Experten gehen davon aus, dass die Hochschulen durch die Studiengebühren jährlich um 1,4 Milliarden Euro Mehreinnahmen haben. Dafür können viele neue Lehrstellen geschaffen, das Kursangebot erweitert (was kleinere Seminare zur Folge hätte), die Bibliotheken aufgestockt und die technischen Einrichtungen an den Universitäten verbessert werden.

    Größerer Wettbewerb

    Durch die Einführung von Studiengebühren ist die Gefahr groß, dass die Studierenden an Hochschulen mit niedrigeren oder ohne Gebühren abwandern. So müssen die teureren Hochschulen ihr Lehrangebot äußerst attraktiv, vielseitig und innovativ gestalten. Das kommt den Studierenden letztlich wieder zu Gute.

    Steuerfinanziertes Studium ist ungerecht

    Während bei Studiengebühren nur die bezahlen, die tatsächlich ein Studium aufnehmen, kommt in Ländern ohne Studiengebühren der Steuerzahler für das Studium auf. Somit finanzieren auch Menschen, die weder selbst studiert haben noch ihre Kinder studieren lassen, die Hochschulausbildung anderer. Im Falle von Studiengebühren übernimmt dies (zu einem großen Teil) der Studierende selbst oder dessen Eltern.

    Die Studenten nehmen mehr Einfluss auf ihre Ausbildung

    Befürworter von Studiengebühren gehen davon aus, dass Studenten, die durch die Studiengebühren zu "zahlenden Kunden" geworden sind, für ihr Geld auch mehr von der Universität einfordern. Sie werden somit mehr Einfluss auf die Hochschul-Angelegenheiten nehmen und sich stärker in Gremien oder im Studentenausschuss engagieren. Auch die Wahlbeteiligung an Hochschulwahlen sollte demnach steigen.

    Studiengebühren sind nicht sozial ungerecht

    Kindern aus sozial schwächeren Haushalten wird ein Studium nicht verwehrt. Die jeweiligen Länder haben verschiedene Möglichkeiten geschaffen wie Bildungskredite oder Studienbeitragsdarlehen, um auch diesen Studieninteressierten eine Hochschulausbildung zu ermöglichen. Die Studiendarlehen sind zwar verzinst, aber verhältnismäßig gering, da sie staatlich gefördert werden. Und die Darlehen müssen erst nach dem Studium zurückgezahlt werden, wenn der Studierende eine Anstellung gefunden hat.

    Kontra Studiengebühren

    Höhere Verschuldung nach dem Studium

    Wer neben dem BAföG (das zur Hälfte zinslos zurückgezahlt werden muss) wegen der Studiengebühren auch noch andere Darlehen aufnehmen muss, der startet erst einmal mit einem Schuldenberg ins Berufsleben.

    Abwanderung der Studenten

    Die Studiengebühren schrecken ab. Das könnte eine Abwanderung in Bundesländer oder an Hochschulen ohne Studiengebühren zur Folge haben – und dort gibt es dann überfüllte Hörsäle, während an den anderen Hochschulen gähnende Leere herrscht.

    Soziale Ungerechtigkeit

    Nicht mehr die Qualifikation, sondern der familiäre Hintergrund entscheidet über die Ausbildung. Wer reiche Eltern hat, kann es sich leisten zu studieren; Kinder aus finanziell schlechter gestellten Elternhäusern eher nicht. Für sie ist der gesellschaftliche Aufstieg durch eine gute Ausbildung und auch ein gut bezahlter Job in weite Ferne gerückt.

    Uneinheitliche Regelung ist problematisch

    Bildungspolitik ist Ländersache. Entsprechend lauten die gesetzlichen Regelungen zu den Studiengebühren in jedem Bundesland anders. Während in einem gar keine Gebühren erhoben werden, müssen die Gebühren im anderen nur für höhere Semester oder im Zeitstudium entrichtet und im dritten wiederum ab dem ersten Semester bezahlt werden. Außerdem gibt es Bundesländer, die den Hochschulen die Entscheidung über die Gebühren übertragen haben. Das bedeutet, dass dort an jeder Universität oder Fachhochschule unterschiedliche Gebühren bezahlt werden müssen.

    Wegen dieser unterschiedlichen Regelungen kann es zu einer erhöhten Wanderung der Studenten kommen. Diese Fluktuationen bringen weder den Studierenden noch den Hochschulen einen Vorteil – davon abgesehen, dass sie mit anderen Kosten wie Umzug und höherer Miete verbunden sein können.

    Die Studenten sind gegen die Studiengebühren

    Die Studierenden fürchten die finanzielle Mehrbelastung durch Studiengebühren. Wofür aber sind die Universitäten und Fachhochschulen da, wenn nicht für die Ausbildung und damit das Wohl der Studenten? Daher sollte in ihrem Sinne entschieden werden.

    Die Studiengebühren aber kommen nicht bei den Studierenden an, sagen die Kritiker. Die Angst kursiert, dass mit Studiengebühren Haushaltslöcher gestopft werden oder der Großteil in die Verwaltung fließt – und diese Befürchtungen sind nicht unbegründet.

    Staatliche Förderungen werden gestrichen

    Kritiker vermuten, dass mit der Erhebung von Studiengebühren die staatlichen Förderungen der Hochschulen (zumindest teilweise) eingestellt werden. Damit bleiben den Hochschulen nur noch die Gelder aus den Gebühren. Folglich haben  die Hochschulen dann nicht mehr Geld zur Verfügung als zuvor, sondern nur genauso viel wie vor Einführung der Studiengebühren.

    Der Staat fördert die Studien-Darlehen

    Die Länder fördern die Darlehen (Bildungskredit, Studienbeitragsdarlehen), die eingeführt wurden, um Studenten aus sozial schwächeren Familien den Zugang zum Hochschulstudium nicht zu verwehren. Durch die staatliche Förderung werden die Zinsen niedrig gehalten, der Rückzahlungsbetrag bleibt überschaubar. Allerdings stammt die Förderung ebenfalls aus Steuergeldern – und damit finanziert eben doch wieder jeder Steuerzahler das Studium einiger weniger. Das Ergebnis ist dasselbe: entweder Steuer-finanziertes Studium oder Steuer-finanzierte Darlehen.

    Studiengebühren - eine erste Bilanz

    Die meisten Bundesländer haben nun zwei bis drei Jahre Erfahrung mit den Studiengebühren sammeln können, und noch immer ist kein Ende der Diskussionen um den Nutzen der Studiengebühren in Sicht. Die Befürworter wie Gegner beharren weiterhin auf ihren Positionen. Daran können auch die Erfahrungen in der Praxis nicht rütteln.

    Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen haben bereits Bilanz gezogen. Dazu lässt sich nur eines eindeutig sagen: Sie ist nicht eindeutig ausgefallen.

    In Baden-Württemberg werden weniger die Studiengebühren selbst kritisiert als vielmehr die Hochschulen. Einer der größten Kritiker ist Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU). Zwar soll die Hälfte der Einnahmen in die Schaffung neuer Stellen geflossen sein, dennoch wurden  kaum Professoren eingestellt. Eigentlich aber hätte mit der Einführung von Studiengebühren die Lehre an Hochschulen verbessert werden sollen. Ein Großteil der Einnahmen wurde in die technische Verbesserung der Lehrsäle investiert. Nun gibt es einen Beamer in jedem Zimmer – aber was bringt er, wenn es niemanden gibt, der ihn bedient?

    Mit der Erhebung von Studiengebühren hat sich die Zahl der eingeschriebenen Studenten an baden-württembergischen Hochschulen um fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr reduziert. Trotz der Startschwierigkeiten hält Frankenberg allerdings an den Studiengebühren in Baden-Württemberg fest.

    Die Fakten: Seit dem Sommersemester müssen die Studenten in Baden-Württemberg 500 Euro pro Semester an Studiengebühren aufbringen.

    Im Jahr 2007 haben die bayerischen Hochschulen rund 145 Millionen Euro an Studiengebühren eingenommen, so Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU). Das Geld wurde nach Angaben aus Regierungskreisen hauptsächlich ausgegeben, um zusätzliches Lehrpersonal einzustellen, das Bibliotheksangebot zu erweitern und die IT-Infrastruktur auszubauen. Trotz der für Studierende scheinbar sinnvollen Verwendung der Gelder äußern die Opposition im bayerischen Landtag (SPD, Grüne) sowie der Allgemeine Studentenausschuss AStA herbe Kritik an den Studiengebühren: Diese würden die Gerechtigkeit im deutschen Bildungswesen untergraben. Nicht die Leistungen, sondern der Geldbeutel der Eltern entscheiden nun über die Möglichkeit, ein Studium aufzunehmen. Goppel versucht, diese Behauptung mithilfe der Zahlen zur Studiengebührenbefreiung zu entkräften: Demnach hätten 26,4 Prozent der Studierenden keine Gebühren zahlen müssen. Auch verwies Goppel auf die Einführung des Studienbetragsdarlehens, von dem bislang allerdings lediglich zwei Prozent der potenziellen Darlehensnehmer Gebrauch gemacht haben.

    Die Fakten: Seit dem Sommersemester 2007 werden in Bayern Studiengebühren erhoben. Die Hochschulen können die Höhe selbst festsetzen. Bei Universitäten und Kunsthochschulen liegen die Gebühren zwischen 300 und 500 Euro pro Semester, bei Fachhochschulen zwischen 100 und 500 Euro.

    Auch in Nordrhein-Westfalen gibt es unterschiedliche Parteien und kontroverse Aussagen. Während man sich im NRW-Innovationsministerium darüber freut, dass der "Abschreck-Effekt" der Studiengebühren ausgeblieben sei, heißt es vom Deutschen Studentenwerk, die Quote der Studienabbrecher habe drastisch zugenommen.

    Oliver Jesper, Vorsitzender des Allgemeinen Studentenausschusses AStA, nennt weitere Zahlen, die gegen die Studiengebühren sprächen. So habe die Uni Köln von den 12 Millionen Euro netto, die 2007 durch die Studiengebühren eingenommen wurden, nur 4 Millionen Euro ausgegeben. Davon wiederum seien allein 900.000 Euro in die Verwaltung der Gebühren geflossen. 2008 war die Budgeplanung jedoch anders: Der Sprecher der Universität zu Köln, Patrick Honecker erläuterte, dass neue Stellen geschaffen, die Bibliothek aufgestockt, die Öffnungszeiten der Fakultäten verlängert und es kostenlose Englischkurse für alle Studierenden angeboten werden sollten.

    An den meisten anderen Hochschulen in NRW wurden die Studiengebühren 2007 scheinbar effizienter genutzt. Durchschnittlich wurde die Hälfte der Studiengebühren direkt an die Fakultäten verteilt, ein Viertel kommt dem Rektorat zu Gute und der Rest wurde als Rücklage angelegt. Wie viel der einzelne Student tatsächlich von den Verbesserungen spürt, ist noch schlecht messbar. Mit Sicherheit werden im Laufe der kommenden Semester eine Vielzahl von Umfragen darüber Auskunft geben.

    Die Fakten: Seit dem Sommersemester 2007 können die Hochschulen in Nordrhein-Westfalen Studiengebühren erheben. Die Höhe legen sie selbst fest (zwischen 0 Euro u.a. an der FH Düsseldorf und 500 Euro u.a. an der Uni Köln)

    Fazit

    Kontroverser als die Einführung der Studiengebühren und deren Verwendung wird kaum ein Thema der Bildungspolitik diskutiert. Es gibt wenige objektive Einschätzungen, da jede Partei Ihren Standpunkt mit allen Mitteln verteidigen will. Grundsätzlich sorgt wohl vor allem die Intransparenz bei der Vergabe der Mittel für großen Frust bei den Studierenden und Instituten. Hier sollte es im ureigenen Interesse jeder einzelnen Hochschule liegen, alle Zahlen offen zu kommunizieren. studilux wird die Entwicklung genau beobachten und Euch auf dem Laufenden halten.

    Deine Meinung ist uns wichtig

    Damit Du selbst zu Worte kommst, haben wir die Rubrik Pro/Contra Studiengebühren für Dich geöffnet. Schick uns einfach eine Mail an pro(at)studilux.de oder eben contra(at)studilux.de mit Deiner Einschätzung und wir veröffentlichen diese auf unseren Seiten. Der Inhalt wird natürlich vor der Veröffentlichung geprüft und die Veröffentlichung behalten wir uns vor. Auch Ausschnitte können veröffentlicht werden. Wir freuen uns auf Deine Meinung!

    studilux/bf

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