Das Für und Wider von Studiengebühren
Von Barbara Fiegl
Studiengebühren bedeuten einen erheblichen finanziellen Mehraufwand für Studierende. Aber bringen sie auch Vorteile für die, die sie bezahlen müssen? Wie jedes Ding haben auch die Gebühren für die akademische Ausbildung zwei Seiten. Lerne beide kennen – und dann bilde Dir selbst eine Meinung.
Pro Studiengebühren
Verbesserung der Lehre
Experten gehen davon aus, dass die Hochschulen durch die Studiengebühren jährlich um 1,4 Milliarden Euro Mehreinnahmen haben. Dafür können viele neue Lehrstellen geschaffen, das Kursangebot erweitert (was kleinere Seminare zur Folge hätte), die Bibliotheken aufgestockt und die technischen Einrichtungen an den Universitäten verbessert werden.
Größerer Wettbewerb
Durch die Einführung von Studiengebühren ist die Gefahr groß, dass die Studierenden an Hochschulen mit niedrigeren oder ohne Gebühren abwandern. So müssen die teureren Hochschulen ihr Lehrangebot äußerst attraktiv, vielseitig und innovativ gestalten. Das kommt den Studierenden letztlich wieder zu Gute.
Steuerfinanziertes Studium ist ungerecht
Während bei Studiengebühren nur die bezahlen, die tatsächlich ein Studium aufnehmen, kommt in Ländern ohne Studiengebühren der Steuerzahler für das Studium auf. Somit finanzieren auch Menschen, die weder selbst studiert haben noch ihre Kinder studieren lassen, die Hochschulausbildung anderer. Im Falle von Studiengebühren übernimmt dies (zu einem großen Teil) der Studierende selbst oder dessen Eltern.
Die Studenten nehmen mehr Einfluss auf ihre Ausbildung
Befürworter von Studiengebühren gehen davon aus, dass Studenten, die durch die Studiengebühren zu "zahlenden Kunden" geworden sind, für ihr Geld auch mehr von der Universität einfordern. Sie werden somit mehr Einfluss auf die Hochschul-Angelegenheiten nehmen und sich stärker in Gremien oder im Studentenausschuss engagieren. Auch die Wahlbeteiligung an Hochschulwahlen sollte demnach steigen.
Studiengebühren sind nicht sozial ungerecht
Kindern aus sozial schwächeren Haushalten wird ein Studium nicht verwehrt. Die jeweiligen Länder haben verschiedene Möglichkeiten geschaffen wie Bildungskredite oder Studienbeitragsdarlehen, um auch diesen Studieninteressierten eine Hochschulausbildung zu ermöglichen. Die Studiendarlehen sind zwar verzinst, aber verhältnismäßig gering, da sie staatlich gefördert werden. Und die Darlehen müssen erst nach dem Studium zurückgezahlt werden, wenn der Studierende eine Anstellung gefunden hat.
Kontra Studiengebühren
Höhere Verschuldung nach dem Studium
Wer neben dem BAföG (das zur Hälfte zinslos zurückgezahlt werden muss) wegen der Studiengebühren auch noch andere Darlehen aufnehmen muss, der startet erst einmal mit einem Schuldenberg ins Berufsleben.
Abwanderung der Studenten
Die Studiengebühren schrecken ab. Das könnte eine Abwanderung in Bundesländer oder an Hochschulen ohne Studiengebühren zur Folge haben – und dort gibt es dann überfüllte Hörsäle, während an den anderen Hochschulen gähnende Leere herrscht.
Soziale Ungerechtigkeit
Nicht mehr die Qualifikation, sondern der familiäre Hintergrund entscheidet über die Ausbildung. Wer reiche Eltern hat, kann es sich leisten zu studieren; Kinder aus finanziell schlechter gestellten Elternhäusern eher nicht. Für sie ist der gesellschaftliche Aufstieg durch eine gute Ausbildung und auch ein gut bezahlter Job in weite Ferne gerückt.
Uneinheitliche Regelung ist problematisch
Bildungspolitik ist Ländersache. Entsprechend lauten die gesetzlichen Regelungen zu den Studiengebühren in jedem Bundesland anders. Während in einem gar keine Gebühren erhoben werden, müssen die Gebühren im anderen nur für höhere Semester oder im Zeitstudium entrichtet und im dritten wiederum ab dem ersten Semester bezahlt werden. Außerdem gibt es Bundesländer, die den Hochschulen die Entscheidung über die Gebühren übertragen haben. Das bedeutet, dass dort an jeder Universität oder Fachhochschule unterschiedliche Gebühren bezahlt werden müssen.
Wegen dieser unterschiedlichen Regelungen kann es zu einer erhöhten Wanderung der Studenten kommen. Diese Fluktuationen bringen weder den Studierenden noch den Hochschulen einen Vorteil – davon abgesehen, dass sie mit anderen Kosten wie Umzug und höherer Miete verbunden sein können.
Die Studenten sind gegen die Studiengebühren
Die Studierenden fürchten die finanzielle Mehrbelastung durch Studiengebühren. Wofür aber sind die Universitäten und Fachhochschulen da, wenn nicht für die Ausbildung und damit das Wohl der Studenten? Daher sollte in ihrem Sinne entschieden werden.
Die Studiengebühren aber kommen nicht bei den Studierenden an, sagen die Kritiker. Die Angst kursiert, dass mit Studiengebühren Haushaltslöcher gestopft werden oder der Großteil in die Verwaltung fließt – und diese Befürchtungen sind nicht unbegründet.
Staatliche Förderungen werden gestrichen
Kritiker vermuten, dass mit der Erhebung von Studiengebühren die staatlichen Förderungen der Hochschulen (zumindest teilweise) eingestellt werden. Damit bleiben den Hochschulen nur noch die Gelder aus den Gebühren. Folglich haben die Hochschulen dann nicht mehr Geld zur Verfügung als zuvor, sondern nur genauso viel wie vor Einführung der Studiengebühren.
Der Staat fördert die Studien-Darlehen
Die Länder fördern die Darlehen (Bildungskredit, Studienbeitragsdarlehen), die eingeführt wurden, um Studenten aus sozial schwächeren Familien den Zugang zum Hochschulstudium nicht zu verwehren. Durch die staatliche Förderung werden die Zinsen niedrig gehalten, der Rückzahlungsbetrag bleibt überschaubar. Allerdings stammt die Förderung ebenfalls aus Steuergeldern – und damit finanziert eben doch wieder jeder Steuerzahler das Studium einiger weniger. Das Ergebnis ist dasselbe: entweder Steuer-finanziertes Studium oder Steuer-finanzierte Darlehen.
Deine Meinung ist uns wichtig
Damit Du selbst zu Worte kommst, haben wir die Rubrik Pro/Contra Studiengebühren für Dich geöffnet. Schick uns einfach eine Mail an pro(at)studilux.de oder eben contra(at)studilux.de mit Deiner Einschätzung und wir veröffentlichen diese auf unseren Seiten. Der Inhalt wird natürlich vor der Veröffentlichung geprüft und die Veröffentlichung behalten wir uns vor. Auch Ausschnitte können veröffentlicht werden. Wir freuen uns auf Deine Meinung!
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