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11.06.2010
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Wenn das Studium krank macht

von Laura Klettke

Der Studienzeit wird im Allgemeinen nachgesagt, dass sie die beste Zeit des Lebens sei. Schließlich haben junge Menschen hier eine Vielzahl an Möglichkeiten und Freiheiten. Auch viele neue Freundschaften können geschlossen werden. Doch für immer mehr Studierende sind die Anforderungen und der Leistungsdruck in diesem Lebensabschnitt zu hoch. Für sie wird das Studium zur Belastungsprobe, die krank machen kann.

Einsamkeit und Antriebslosigkeit

Wenn das Studium krank macht

Für Felix ging ein Traum in Erfüllung, als er im Nachrückverfahren einen Studienplatz für Rechtswissenschaften bekam. Durch die Verzögerung seiner Zulassung verpasste er die Erstsemesterveranstaltungen – und stand bei den ersten Vorlesungen ganz allein da. „Ich habe den Anschluss an die anderen Leute verpasst. Die hatten sich schon alle zu Grüppchen zusammen gefunden.“ Obwohl Felix sich als nicht besonders schüchtern beschreibt, bemühte er sich nicht wirklich, seine Kommilitonen kennen zu lernen.

„Ich lerne eigentlich nur und habe in der Woche keinerlei soziale Kontakte“, erzählt Felix. Am Wochenende fährt der Jurastudent in seine Heimatstadt und unternimmt etwas mit seinen früheren Schulfreunden. „Im ersten Semester hatte ich dann sehr gute Noten, ich dachte, es lohnt sich.“ Doch schon im zweiten Semester beginnt Felix, unter seiner Isolation zu leiden. „Ich habe zunehmend einen Hass auf alle meine Kommilitonen. Ich frage mich immer, warum ich außen stehe.“ Wenn er doch mal mit ihnen zusammen ist, fühlt er sich unwohl und hat das Gefühl, sich verstellen zu müssen.

Als schließlich auch seine Noten unter der Situation leiden, beschließt Felix, den Studienort zu wechseln. „Dort will ich alles anders angehen, aber ich habe Angst, dass es nicht klappt“, sagt er. Zudem befürchtet er, sich dann nicht mehr genügend auf sein Studium konzentrieren zu können: „Und ich muss einen guten Abschluss machen, sonst kann ich einen Job später vergessen.“ Mittlerweile sind seine Einsamkeit und Antriebslosigkeit für Felix zu einer solchen Belastung geworden, dass er sich nicht vorstellen kann, wie er die Wochen bis zum Studienplatzwechsel überstehen soll.

Persönliche und strukturelle Ursachen

Wenn das Studium krank macht

Die Diplompsychologin Konstanze Burger berät Studierende der Ruhr Universität Bochum, die sich mit psychologischen Problemen an die Studienberatung wenden. Fehlendes oder geringes Selbstvertrauen, falsche Entscheidungen und mangelnde kommunikative Fähigkeiten sieht sie als häufigste persönliche Ursachen für die Probleme von Studierenden. „Die strukturellen Ursachen sind meist überfrachtete Stundenpläne, fehlende oder mangelhafte Betreuung durch Dozenten, Studiengebühren und zu wenig Beratung im Vorfeld der Studienentscheidung“, erklärt die Psychologin.

Die Folgen sind Versagens- und Zukunftsängste, Niedergeschlagenheit und materielle Sorgen. Auch bei Problemen mit dem sozialen Umfeld, wie Kommilitonen, dem Partner oder den Eltern, suchen viele Studierende bei Beratungsstellen Hilfe. Auch wenden sich häufig von Essstörungen betroffene Studenten an die psychologische Bratungsstelle der Bochumer Ruhr Universität. „Wir helfen dann mit genauer Analyse der Hintergründe. Wir ermutigen und stoßen das innere Wachstum an“, so Konstanze Burger.

Doch nicht immer kann den Studenten dadurch ausreichend geholfen werden, weiß die Psychologin. „Bei ausgeprägten, neurotischen Fehlentwicklungen und Persönlichkeitsstörungen, die einer längeren therapeutischen Behandlung bedürfen, verweisen wir an ambulante psychotherapeutische Praxen.“ Ist ein Betroffener akut selbstmordgefährdet, arbeitet die Beratungsstelle auch mit Kliniken zusammen.

Umstellung schafft Ängste

Die Umstellung der Studiengänge auf die Bachelor- und Masterabschlüsse hat die Situation zusätzlich verschärft. Weniger Freizeit und ein größerer Notendruck machen vielen Studierenden zu schaffen. „Druck und Stress sind eindeutig größer geworden“, stellt Konstanze Burger fest. So suchen seit der Reform deutlich mehr junge Menschen Hilfe bei der Beratungsstelle der Ruhr Universität Bochum. „Insbesondere die Ängste haben zugenommen.“

studilux/lk

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